Bauchatmung - Alles, was ihr wissen wollt

Hände auf einem Bauch

Bauchatmung - Alles, was ihr wissen wollt

Von Susanne Schnabel

Professionelle Sprecher, Schauspieler und Sänger beherrschen sie perfekt, sie gehört zu deren täglichen Handwerkszeug: die Bauchatmung. Es gibt aber auch viele gute Gründe für Laien, diese Atemtechnik zu beherrschen.

Schlafendes Baby

Babys beherrschen die gesunde Bauchatmung

Babys atmen automatisch "in den Bauch", das heißt, beim Einatmen dehnt sich ihr Bauch weit nach außen. Bei vielen Menschen verändert sich die Atmung im Laufe des Lebens - sie wird vermehrt von der Bauch- zur Brustatmung. Viele Mediziner, Yogalehrer, Logopäden sowie Atem- und Sprechtrainer finden dies bedauerlich, denn die Bauchatmung ist gesünder.

Unterschiede bei Bauch- und Brustatmung

Beim Einatmen unterscheidet man zwischen Brust- und Bauchatmung: Bei der Brustatmung (Thorakal- oder Kostalatmung) erweitert sich im Wesentlichen der Brustkorb. Die Rippen ziehen das passive Zwerchfell in die Höhe, die Bauchwand bewegt sich kaum. Im Gegensatz dazu werden bei der Bauchatmung (Zwerchfellatmung, Abdominalatmung) durch Zusammenziehung des Zwerchfells die Eingeweide runtergedrückt und der Bauch wölbt sich vor. Im Normalfall werden Brust- und Bauchatmung miteinander kombiniert, sowohl bei tiefer als auch bei oberflächlicher Atmung.

Brust rein - Bauch raus!

Grafik: Wo sitzen Zwerchfell, Lunge und Herz im Körper

Beim gesunden Atmen wichtig: das Zwerchfell

Bauchatmung sei die gesündeste Form der Atmung, sagt Rudolf Schnell, Lungenarzt aus München, weil weniger Energie verbraucht werde als bei der Brustatmung. Zudem sinke dabei der Blutdruck und die Verdauung werde gefördert. "Diese Form der Atmung wird unbewusst eingesetzt, wenn der menschliche Körper entspannt ist, beispielsweise beim Sitzen oder Schlafen und bewusst von guten Sängern und Blasmusikern zur Atemstütze", so der Mediziner.

Bauchatmung ist entspannend

Chantal Fleurant, Atemtrainerin aus Düsseldorf, vermutet, dass Stress und Verspannungen die Ursachen für vermehrte Brustatmung sind: "Die Atmung 'wandert' scheinbar zwangsläufig nach oben in den Brustbereich. So entwickeln wir uns langsam zu reinen 'Brustatmern'. Wir verlernen die Bauchatmung und damit unsere Mitte und die Möglichkeit, uns tief zu entspannen." Laut Fleurant entspannt Bauchatmung den Körper, aber vor allem auch den Geist: "Sie erleben sich gelassener, entwickeln mehr Selbstvertrauen und handeln mehr aus Ihrer Mitte heraus."

Ein weiterer Vorteil der Bauchatmung, so Fleurant: Sie hilft gegen Verstopfung. Das Heben und Senken im Bauchraum wirkt wie Massage für die Verdauungsorgane. Der Darminhalt wird besser transportiert.

Übung: So kontrollieren Sie die eigene Atmung

Sie legen eine Hand auf den Bauch und die andere auf den oberen Brustkorb. Jetzt atmen Sie mehrere Atemzüge so wie immer. Wie bewegen sich die Hände? Bewegt sich die obere Hand auf dem Brustkorb stärker als die untere auf dem Bauch? Dann ist dies Brustatmung. Nun können Sie sich darauf konzentrieren, tief in den Bauch - in die eigene Hand zu atmen. Dabei wölbt sich der Bauch weit nach außen.

Richtig atmen hilft stotternden Menschen

Mann liegt auf dem Rücken und hält sich den Bauch

Bauchatmen kann man trainieren

"Nach meiner Erfahrung haben Menschen mit der Sprechstörung Stottern eine Atmungsstörung", sagt Sabine Kloiber, Sprechtrainerin aus Bonn. "Ihre Brustatmung ist beim Sprechen flach und hektisch. Im Training wird die tiefe Zwerchfellatmung erlernt." Und auch bei Menschen mit Tourette-Syndrom, einer neuropsychiatrischen Erkrankung, die durch Tics charakterisiert ist, hat sich das Erlernern der Bauchatmung als hilfreich erwiesen.

Verbesserung bei Inkontinenz

"Gezielte Atmung kann ein erster Schritt zur Stärkung des Beckenbodens sein, wenn sie über das Zwerchfell gesteuert wird", empfiehlt die Inkontinenz-Selbsthilfe aus Polheim. "Beckenboden und Zwerchfell wirken synergetisch zusammen. Das heißt, sie heben und senken sich im Gleichklang. Das Zwerchfell begrenzt den Bauchraum nach oben, die Beckenbodenmuskulatur nach unten." Bei der Einatmung erhöht sich der Druck, deshalb seien bezüglich der Atmung zwei Dinge zu beachten: Um den Druck in der Bauchhöhle zu mindern, muss die Bauchatmung erlernt und konsequent angewandt werden. Alle Anstrengungen wie Heben, Tragen, Hüpfen sollten mit der Ausatmung verbunden werden, da die Einatmung der Anspannung der Beckenbodenmuskulatur entgegenwirkt.

Wir haben Sie gefragt, was Sie über den Bauch wissen möchten. Die Ergebnisse gibt es jetzt in unserer Serie "Der Bauch - Alles, was ihr wissen wollt!" Im Radio, im Fernsehen und Online können Sie die Antworten zu den originellsten und am häufigsten gestellten Fragen hören, sehen und lesen.

Stand: 22.09.2016, 06:00