Bonner Forscher finden schlagkräftigere Krebstherapie

Krebszelle

Bonner Forscher finden schlagkräftigere Krebstherapie

Von Lucia Windhausen

  • Tumore entgehen Immunsystem durch Bremsmechanismus.
  • Bonner Forscher haben Weg gefunden, diesen zu schwächen.
  • Körpereigenes Protein steht im Zentrum der Studie.

Eine Studie der Universität Bonn weist einen neuen Weg zu schlagkräftigeren Krebstherapien: Viele Tumore verfügen über einen Bremsmechanismus, mit denen sie ihrer Vernichtung durch das Immunsystem entgehen. Bonner Wissenschaftler konnten nun eine dieser Bremsen lösen.

Das menschliche Immunsystem verfügt über eine wirksamen Abwehrmechanismus. Mit den sogenannten Killer-T-Zellen kann es einen Angriff, beispielsweise durch eine Virusinfektion, abwehren.

Tumore umgehen Immunsystem

Viele Tumore haben aber einen Mechanismus entwickelt, mit denen sie diese Abwehrwaffe austricksen können. Sie geben sich als körpereigenes Gewebe aus und lassen sich also gewissermaßen von den regulatorischen T-Zellen beschützen, die eigentlich den Körper vor ihnen schützen sollten. "Wir haben nun einen Weg gefunden, diese regulatorischen T-Zellen abzutöten", erklärt Christoph Heuser von der Universität Bonn. "Dadurch konnten wir die Schlagkraft der Killer-T-Zellen deutlich steigern."

Im Zentrum der Studie steht ein körpereigenes Protein, welches mithilfe eines Wirkstoffs geblockt wird und im Zusammenhang mit den T-Zellen steht. "Daraufhin starben die regulatorischen T-Zellen ab. Die Killer-T-Zellen dagegen überlebten und gewannen sogar noch an Schlagkraft, weil sie nicht mehr von den regulatorischen T-Zellen gehemmt wurden", sagt Heusers Kollegin Gotot.

Studien an Mäusen erfolgreich

Die Forscher testeten nun an Mäusen mit Hautkrebs, ob sich der Protein-Hemmstoff zur Tumorbehandlung eignen könnte. Nach etwa zweiwöchiger Behandlung ging die Anzahl der regulatorischen T-Zellen um die Hälfte zurück. Entsprechend stärker fiel die Antwort der Killer-T-Zellen gegen den Tumor aus. Dadurch wurde das Krebswachstum deutlich verzögert, und die Tiere überlebten länger.

Kombinationstherapie gegen Tumore

"Eine vollständige Heilung lässt sich allein durch die Protein-Hemmung allerdings nicht erzielen", relativiert Professor Kurts, Leiter des Instituts für Experimentelle Immunologie an der Universität Bonn. "Durch Kombination mit anderen immunologischen Wirkstoffen lässt sich das Immunsystem jedoch eventuell so stark stimulieren, dass der Krebs besser bekämpft werden kann. Dieser Ansatz hat bereits jetzt die Therapie von Krebserkrankungen revolutioniert." 

Stand: 17.10.2017, 18:00