Was bedeutet Trump für die Wissenschaft?

Montage mit dem genetischen Code, einer Lupe und dem Portrait von Donald Trump

Was bedeutet Trump für die Wissenschaft?

Von Annika Franck

Den Klimawandel gibt es nicht, und Kohlestrom ist eh besser als erneuerbare Energien. Das zumindest weiß man über Donald Trump. Aber welche Folgen könnte seine Politik auf die Forschung haben? Wir haben nachgefragt.

Was genau Donald Trump für Wissenschaft und Forschung plant, ist bisher einigermaßen ungewiss. Wir haben einige Einschätzungen zusammengetragen. "Andere Sprachen und ihre Literatur sind wichtig, weil sie unsere Fähigkeiten schulen, mit anderen Kulturen umzugehen", betont beispielsweise Sarah Vandegrift Eldridge. Die Literaturwissenschaftlerin hat einen Lehrstuhl an der University of Tennessee in Knoxville, forscht aber derzeit als Fulbright-Stipendiatin an der TU Dresden.

Fähigkeiten, mit anderen Kulturen umzugehen, seien auch in der Wirtschaft gefragt. Eldridge befürchtet, dass diese Kompetenzen unter einem Präsident Trump nicht mehr sehr gefragt sind. "Wir leben schon seit einigen Jahren in einem gespaltenen Land", beschreibt sie. Vor allem angewandte Forschung werde öffentlich immer weniger gefördert. "Aber auch die braucht eine Basis, und das ist oft die Grundlagenforschung." Auch hier könnte unter Trump die Finanzierung noch weiter zurückgefahren werden.

Was geht in den Köpfen der Menschen vor?

Davon geht Kent Troutman nicht unbedingt aus. Der Wirtschaftswissenschaftler von der Princeton-University ist derzeit am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin und Stipendiat der Humboldt-Stiftung. "Ein Großteil der Forschungsgelder wird nicht über den Präsidenten vergeben", meint er. Troutman vermutet, dass für Projekte in den Sozialwissenschaften sogar mehr Geld zur Verfügung stehen wird: "Viele Menschen wollen nun wissen und verstehen, was in Menschen vorgeht, die das Gefühl haben, zurückzubleiben und hängengelassen zu werden."

Das sehe man derzeit auch an den Schlagzeilen der US-amerikanischen Medien. "Alle fragen: Wer sind diese Menschen, die Trump gewählt haben?" Über die Mittel für staatliche Universitäten habe Donald Trump im Wahlkampf nichts gesagt. "Es gibt allerdings die Möglichkeit, dass er das Bildungsministerium komplett auflöst - das hat er angekündigt, und dazu hätte er auch die Möglichkeit", sagt Troutman. Die Folgen eines solchen Schrittes seien überhaupt nicht absehbar.

Kommen weniger Wissenschaftler in die USA?

Zwar habe Trump in einem Interview mal gesagt, er werde die Unterstützung für Studiengänge wie Englisch, Geisteswissenschaften und in den Künsten kürzen. "Aber wer weiß, wie ernst er das wirklich meint", sagt Troutman. Ernst sei es dem künftigen Präsidenten vermutlich mit deutlichen Einschnitten bei der Klimaforschung, denn den Klimawandel hielte Donald Trump für nicht real. "Auch eine solche Maßnahme muss durch das Parlament abgesegnet werden", betont Troutman. Signifikante Folgen könnte es haben, wenn viele ausländische Wissenschaftler keine Visa mehr erhalten: "Das wäre schlimm, denn diese Forscher sind für die amerikanische Wissenschaft extrem wichtig."

David DiVincenzo, Physiker am Forschungszentrum in Jülich und an der RWTH Aachen, hält es knapp: "Ich habe keine Ahnung von Trumps Wissenschaftspolitik", sagt der Experte für Quantentheorie, der aus Pennsylvania stammt. Abgesehen davon, dass Trump sehr unwissenschaftliche Dinge über den Klimawandel gesagt habe, sei wenig über seine Wissenschafts-Agenda bekannt. Man müsse abwarten - aber wenn er noch in den USA leben und forschen würde, würde er sich vermutlich durchaus Sorgen machen.

Spaltung auch bei Hochschulen sichtbar

Einigermaßen gelassen bleibt Sven Bernecker. Der Philosoph hat mehrere Jahre im US-Bundesstaat Kalifornien gelehrt und gelebt und hat seit diesem Jahr eine Professur an der Uni Köln. "Grundsätzlich ist Donald Trump ja erfrischend pragmatisch - er redet mal so, mal so", sagt Bernecker. Es sei allerdings durchaus damit zu rechnen, dass vor allem die kleineren, weniger renommierten Hochschulen künftig weniger Geld erhielten. "Die Spaltung, wie wir sie auch zwischen Stadt und Land haben, wird sich da fortsetzen", prognostiziert der Philosoph. Die Spitzen-Einrichtungen würden aber spitze bleiben. Wie Troutman sieht Bernecker auch die schlimmste Gefahr in einer restriktiveren Visa-Politik: "Das Schlimmste wäre, wenn die USA sich nicht mehr die hellsten Köpfe ins Land holen würde", betont er. Denn das hätte gravierende Folgen nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Wirtschaft.

Stand: 10.11.2016, 16:18