Mehr Toiletten, dann läuft auch der Umsatz

Karnevalist vor Toilettenhäuschen

Mehr Toiletten, dann läuft auch der Umsatz

Von Susanne Schnabel

Karnevalisten trinken bekanntlich viel - sie warten aber ungern an Toiletten. Warum das den Getränkeumsatz senkt, hat ein Wiener Unternehmer berechnet.

Getränkeumsatz und Toilettenfrequenz hängen zusammen. Logisch. Wer mehr trinkt, der muss auch öfter. "Das ist natürlich nicht ganz falsch. Viel spannender ist, dass es in Wirklichkeit genau umgekehrt ist: Je länger die Wartezeit bei den Toiletten, desto weniger trinkt man, weil man sich mehr zurückhält", erklärt Stefan Leitmannslehner. Der Österreicher führt das Unternehmen Qounts, das sich auf die Besucherzählung mittels digitaler Handzählgeräte und Smartphone-App spezialisiert hat.

Die Damen müssen öfter

Leitmannslehners Arbeit beschäftigt sich eher mit Sicherheitsaspekten bei Großveranstaltungen, "aber ich habe mich schon immer gefragt, wieso Veranstalter es hinnehmen, dass es so lange Schlangen bei den Toiletten gibt." Den meisten Gastronomen sei völlig klar, dass sie weniger Umsatz machen, wenn die Leute an der Bar lange warten müssen, bis sie endlich bestellen können.

Stefan Leitmannslehner

Stefan Leitmannslehner

Aber den wenigsten von ihnen sei auch klar, "dass das auch für das andere Ende der Wertschöpfungskette gilt." Wer an der Toilette lange warten muss, halte sich auch beim Konsum zurück, weil er oder sie - Damen haben erfahrungsgemäß mehr Harndrang - keine Lust auf die Warterei hat. "Da Warten langweilig ist, nehmen Damen häufig eine Freundin mit, ob die jetzt muss oder nicht. So stehen gleich zwei in der Schlange und trinken währenddessen nichts", so der Wiener.

Eine Toilettenanlage für 55.000 Besucher

Er hat diesen Sachverhalt zahlenmäßig analysiert am Beispiel eines beliebten Hamburger Weihnachtsmarktes. 55.000 Besucher kommen dort täglich hin, eine halbe Stunde beträgt die durchschnittliche Verweildauer. Die sei deshalb so kurz, vermutet Leitmannslehner, weil der Markt mit nur einer einzigen Toilettenanlage ausgestattet ist.

Leitmannslehner: "Die meisten Besucher konsumieren in dieser Zeit mindestens einen Punsch. Bei einem Preis von vier Euro pro Punsch macht das einen Gesamtumsatz von über 210.000 Euro. Pro Tag! Wenn es nun gelingt, dass die Leute länger bleiben, dann würden sie auch mehr konsumieren und der Umsatz signifikant steigen."

Unisex-Toiletten könnten die Lösung sein

Der untersuchte Weihnachtsmarkt war ausgestattet mit einer Toilettenanlage, bestehend aus zwei Toilettenwagen. Jeder davon war jeweils aufgeteilt auf vier Kabinen für Frauen und zwei Kabinen für Männer sowie vier Urinale. Die Herren haben daher um die Hälfte mehr Möglichkeiten, zu urinieren. Inklusive Wartezeiten haben die Frauen im Schnitt 3,15 Minuten auf der Toilette verbracht, die Männer hingegen nur 2,5 Minuten.

Grafik von Qounts "Verweildauer und Füllmenge"

So sieht die Toiletten-Analyse von Qounts aus

Frauen brauchen länger, haben weniger Möglichkeiten und müssen noch dazu häufiger zur Toilette, sofern sie genauso viel konsumieren wie Männer. Da sind lange Wartezeiten vorprogrammiert. Fazit von Leitmannslehner: "Wenn man mehr Umsatz machen will, wären zwei Drittel der Toilettenflächen für Frauen und ein Drittel für die Männer viel gescheiter. Oder noch besser: Unisex-Toiletten. Jeder Gastronom, der an Toiletten spart, macht weniger Umsatz."

Ausreichend Toiletten sollen zum Service gehören

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Männer haben meist mehr Möglichkeiten

In den Narrenhochburgen platzieren Karnevalisten und Gastronomen alljährlich jede Menge mobile Klohäuschen, Toilettenwagen, Behinderten-WCs und Urinalrinnen in den Innenstädten. Hans-Peter Suchand vom Comitee Düsseldorfer Carneval: "Es ist dafür gesorgt, dass entlang des gesamten Zugweges ausreichend Toiletten vorhanden sind. Etwa 50 mobile Toiletten haben wir in diesem Jahr aufgestellt." Innerhalb weniger Minuten sollte jeder Besucher eine Toilette finden. "Das ist Service für unsere Besucher", so Suchand.

In Mönchengladbach wurden am vergangenen Wochenende (18. und 19.02.2017) erstmals mehrere mobile Urinale aufgestellt. "Dabei geht es uns eher um Wildpinkler als um den Umsatz der Gastronomen", sagt Johannes Jansen, Vorsitzender der "Altstadtinitiative Mönchengladbach". Die Argumente des Wieners findet er überzeugend. "Klingt logisch und hätte auch den Vorteil, dass es weniger Wildpinkler gibt. Aber unsere Gastronomen haben eher das Problem, dass die Leute im Kiosk billig ihr Bier besorgen und dann in den Kneipen die Toiletten benutzen."

Stand: 22.02.2017, 06:00