Das ist wichtig beim Notruf

Ein Telefonhörer und die Notrufnummer 112 in gelber Schrift auf rotem Untergrund.

Das ist wichtig beim Notruf

  • Der 11. November ist Tag des Europäischen Notrufs
  • Interview mit Expertin in Sachen Notrufnummer
  • 112 ist nicht immer die passende Nummer
  • Notarztversorgung leidet unter Kostendruck

112 - diese Notrufnummer sorgt in ganz Europa für schnelle Hilfe, wenn es um Leben und Tod geht. Doch nicht immer ist sie auch die passende Nummer. Zum europäischen Tag des Notrufs haben wir darüber mit Anna Eberchart von der Björn Steiger Stiftung gesprochen. Die Stiftung setzt sich für die Verbesserung der Notfallhilfe ein.

WDR: Wann sollte man unbedingt den Notruf wählen?

Anna Eberchart: Man sollte anrufen, wenn es für einen Menschen lebensbedrohlich wird. Das kann bei einem Verdacht auf Herzstillstand oder Schlaganfall sein oder auch bei hohem Blutverlust. In solchen drastischen Situationen sollte sofort die Nummer 112 gewählt werden.

WDR:  Scheuen sich die Menschen eigentlich davor, den Notruf zu wählen?

Eberchart: In manchen Situationen haben Menschen möglicherweise Hemmungen, die 112 anzurufen. Viele Menschen wählen den Notruf aber auch dann, wenn es eigentlich nicht notwendig ist - zum Beispiel, wenn sie sich aus der Wohnung ausgeschlossen haben. Damit werden die Leitstellen dann unnötig überlastet.

WDR: Also wissen viele Menschen gar nicht, wann sie eigentlich welche Notrufnummer wählen sollen?

Eberchart: Da gibt es sicher Nachholbedarf. Die Nummer 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes beispielsweise ist den meisten gar nicht bekannt. Diese Nummer kann man dann wählen, wenn man krank oder verletzt ist und es nicht um Leben und Tod geht. Also in den Fällen, in welchen man eigentlich eine Arztpraxis aufsuchen würde, diese aber geschlossen hat. Diese Nummer soll die 112-Leitstellen eigentlich entlasten, jedoch wählen viele dann trotzdem die 112.

WDR: Was genau passiert eigentlich, wenn man die Notrufnummer wählt?

Eberchart: Man wird mit der zuständigen Leitstelle verbunden. Der dortige Disponent geht nach einem vorgegebenen Fragenschema vor. Das sind die fünf W-Fragen: Wo ist der Unfall passiert? Was ist geschehen? Wie viele Personen sind betroffen? Welche Art von Verletzung liegt vor? Und das fünfte "W" steht für "Warten" und bedeutet, dass man als Anrufer auf Rückfragen von der Leitstelle warten soll. Der Disponent verständigt dann per Funk die Rettungskräfte, die dem Unfallort am nächsten sind.

WDR: Wie schnell können die Rettungskräfte denn am Unfallort sein?

Eberchart: Die Bundesländer haben unterschiedliche Hilfsfristen. In NRW sind die Vorgaben so, dass die Rettungskräfte in dünn besiedelten Gebieten innerhalb von zwölf Minuten am Notfallgeschehen sein sollen. Im Stadtgebiet sollen sie das in fünf bis acht Minuten schaffen.

WDR: Wie gut sind wir in Deutschland denn beim Notdienst aufgestellt?

Eberchart: Die Entwicklung der Notfallhilfe seit den 1970er Jahren ist positiv. In letzter Zeit ist die Notarztversorgung aufgrund von Kostendruck und gesetzlichen Regelungen allerdings etwas ausgedünnt worden. Gerade in ländlichen Gebieten herrscht eine Unterversorgung.

WDR: Sind Notruf-Apps für das Smartphone eine gute Alternative zum Notruf per Telefon?

Eberchart: Im Notfall können diese Apps auch nicht viel mehr machen, als die entsprechende Notrufnummer wählen. Zusätzliche Daten wie die GPS-Ortung können gar nicht übermittelt werden, weil es kein standardisiertes Protokoll gibt, mit dem diese Daten an die Leitstellen weitergegeben werden. Die Leitstellen können sich zwar die Zellortungsdaten vom Netzbetreiber übermitteln lassen, doch diese sind sehr ungenau. Das kann auf dem Land einen Radius von einem Kilometer ausmachen. Viele Leitstellen verfügen zudem gar nicht über die hierfür notwendige Technik.

Das Interview führte Benjamin Esche

Stand: 11.02.2017, 06:00