Neue Studie: Junge Männer besonders häufig spielsüchtig

Neue Studie: Junge Männer besonders häufig spielsüchtig

Von Susanne Schnabel

Laut einer neuen Studie wird in Deutschland weniger gezockt. Betroffen von Spielsucht sind vor allem junge Männer. Sie suchen den "Kick" beim Glücksspiel, zunehmend auch bei illegalen Sportwetten. Es gibt viele Hilfsangebote für Betroffene.

Die Deutschen zocken immer weniger bei Glücksspielen: Zwar haben mehr als drei Viertel der Bundesbürger - 77,6 Prozent - bereits irgendwann im Leben schon einmal an einem Glücksspiel teilgenommen, aber die Tendenz sinkt. Der Anteil derer, die in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal gezockt haben, sank 2015 auf rund 37 Prozent. 2013 waren dies noch mehr als 40 Prozent und 2007 noch 55 Prozent. Das zeigt eine neue Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Deutschen Lotto- und Totoblocks (DLTB). Für die Studie, die seit 2007 das fünfte Mal erhoben wurde, wurden 23 Arten des Glücksspiels untersucht, ob Bingo, Rubbellose oder "einarmiger Bandit". Dafür befragte Forsa im vergangenen Jahr etwa 11.500 Menschen zwischen 16 und 70 Jahren.

Junge Männer und die Sportwetten

Besonders anfällig für Spielsucht sind junge Männer. "Das Glücksspielverhalten junger Männer in Deutschland bietet weiterhin Anlass zur Sorge", erklärt Peter Lang von der BZgA. So nahm bei den 18- bis 20-Jährigen die Teilnahme an illegalen Sportwetten sprunghaft zu. Lag der Anteil 2013 nur bei 5,7 Prozent, waren es im vergangenen Jahr schon 12,8 Prozent. Männer gelten häufiger als Problemspieler. Das heißt, für diese Spieler ist die Zockerei längst mehr als ein Freizeitvergnügen und endet im schlimmsten Fall in einer Sucht. Der Studie zufolge liegt die Zahl der problematischen und krankhaften Spieler in Deutschland bei schätzungsweise 308.000 bis 676.000. Auch Menschen mit einem niedrigen Bildungsstatus und mit Migrationshintergrund gehören danach zu den Risikogruppen.

Sucht erkennen, Sucht bekämpfen

Wolfgang Kursawe, Leiter der Fachstelle Glücksspielsucht bei der Drogenhilfe Köln, kennt die Probleme der jungen spielsüchtigen Männer seit vielen Jahren aus der Praxis. "Wichtig ist, dass der Betroffene erkennt, dass er süchtig ist. In Gesprächen können wir gemeinsam abklären, ob eine ambulante oder stationäre Behandlung für ihn geeignet ist. Auch Selbsthilfegruppen machen Sinn", erklärt Kursawe. Die Fachstelle Köln bietet jeden Montagabend eine Motivationsgruppe an, bei der Betroffene unangemeldet Hilfe erhalten. "In diesem Jahr waren bereits 40 Personen da, im vergangenen Jahr haben rund 200 das Angebot wahrgenommen", so Kursawe. In seiner Beratungsstelle erhalten auch Angehörige und Freunde Rat, um mit der Situation umzugehen.

Beratung, Therapien und Selbsthilfegruppen

Ein Spielautomat

Spielsucht ist eine anerkannte Krankheit

Die deutschen Renten- und Krankenversicherungen haben das pathologische Glücksspielverhalten 2001 als Erkrankung anerkannt. Damit werden ambulante und stationäre Behandlungen von den Kassen übernommen. Einige Beratungsstellen bieten eine ambulante Entwöhnung mit wöchentlichen Gruppen- und Einzelsitzungen an. Die Behandlungsdauer ist etwa auf ein Jahr ausgerichtet, kann aber verlängert werden.

2013 nahmen nach Angaben der deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) rund 18.800 Glücksspieler die ambulanten Suchtberatungsstellen in Anspruch. Glücksspielsüchtige können aber auch stationär in einer Fachklinik therapiert werden. Die stationäre Therapie dauert in der Regel zwischen acht und zwölf Wochen. Die Betroffenen müssen den Umgang mit Geld erst wieder lernen und Alternativen zu ihrem Verhalten entwickeln. Auch Selbsthilfegruppen helfen weiter. Meist übernehmen Angehörige zunächst die Verwaltung der Finanzen. Notwendig ist aber vor allem die Bereitschaft, über die Spielsucht zu reden.

Im Internet gibt es umfangreiche Angebote mit Informationen, Selbsttests und Ansprechpartnern für Hilfe. Die BZgA bietet unter 0800-1372700 eine kostenlose telefonische Beratung an.

Stand: 22.03.2016, 16:00