So fällt das Fremdsprachenlernen leichter

Sprachen lernen

So fällt das Fremdsprachenlernen leichter

Auf der Expolingua in Berlin ging es am 19. und 20. November um die Vielfalt von Kultur und Sprache. Was braucht es, um eine Fremdsprache neu zu erlernen? Wer einige Tipps beherzigt, hat mehr Erfolg.

Auf der Sprachenmesse Expolingua in Berlin standen bei über 150 Ausstellern aus mehr als 30 Ländern die verschiedenen Möglichkeiten des Fremdsprachenlernens im Mittelpunkt. Wie lernen wir einen neue Sprache am besten? Warum tun wir uns manchmal sehr schwer damit? Darüber haben wir mit Ludger Schiffler, Professor für Fremdsprachendidaktik an der Freien Universität Berlin, gesprochen.

WDR: Kann jeder Mensch problemlos jede Sprache erlernen?

Ludger Schiffler: Das hängt davon ab, ob der Mensch sich schon längere Zeit überhaupt mit einer Fremdsprache befasst hat. Wer eine Sprache zumindest öfter gesprochen hat, kann auch weitere Sprachen lernen. Aber ein älterer Mensch, der niemals eine Fremdsprache gesprochen hat, wird das nicht schaffen. Die Regionen im Gehirn, die für das Erlernen einer Sprache zuständig sind, sind dann kaum vorhanden. Das ist einfach eine Sache des Trainings, genau wie beim Sportler.

WDR: Was ist denn das Wichtigste, um eine Sprache neu zu erlernen?

Schüler eines Gymnasiums an einer Schule in Utrecht, Niederlande

Motivation hilft beim Sprachen lernen

Schiffler: Ganz klar die Motivation. Und der größte Motivationsfaktor ist der Erfolg. Für einen Erwachsenen mit einem Berufsziel ist beispielsweise die extrinsische Motivation, die also durch äußere Faktoren beeinflusst ist, ganz wichtig. Da geht es um die Verbesserung der Berufschancen. Aber auch die intrinsische Motivation aus sich selbst heraus kann eine Rolle spielen. Vor allem Durchhaltevermögen ist nötig, um eine fremde Sprache zu erlernen. Das ist aber nicht jedem gegeben.

WDR: Kann man das besonders bei schwierigen Sprachen wie Arabisch oder Chinesisch beobachten?

Schiffler: Auf jeden Fall. Arabisch ist mit Mongolisch eine der schwierigsten Sprachen überhaupt. Es ist ganz schwierig, wenn man überhaupt keine Assoziationen bei der neuen Sprache bilden kann.

WDR: Welche Rolle spielen unterschiedliche Lerntypen beim Lernen einer Sprache?

Schiffler: Eine große Rolle. Durch das frühe Erlernen des Lesens und Schreibens sind wir größtenteils grafisch-visuelle Lerntypen. Dabei sind wir von Geburt aus eher auditive Typen, die über das Gehör lernen. Einige Menschen haben sich das auch bewahrt. In Kulturkreisen, in denen nicht geschrieben wird, ist der Anteil dieser Typen noch viel ausgeprägter. Für das Erlernen einer Sprache ist es sehr wichtig, auditiv zu lernen.

WDR: Auf welchen Wegen ist das Lernen der Sprachen denn besonders effektiv?

Flüchtlinge aus Syrien lernen am 02.11.2015 im Grone Bildungszentrum Erfurt (Thüringen) in einem 320-stündigen Einstiegskurs die deutsche Sprache.

Sprachen lernen durch Lesen und Schreiben ist weit verbreitet

Schiffler: Das kann ganz unterschiedlich sein. Für einen visuellen Lerntypen ist es wichtig, die Vokabeln mehrmals zu schreiben. Grundsätzlich ist es allerdings so: Je stärker die verschiedensten Sinne angeregt werden, desto besser wird der Lernstoff behalten. Wenn Sie beispielsweise auf Englisch den Satz "Ich halte den Hund an der Leine" lernen wollen, also "I keep the dog on leash", können Sie sich das bildlich vorstellen. Sie können sich ausmalen, wie ein Hund riecht oder verknüpfen Hunde-Assoziationen aus der Kindheit damit. Auch den Satz laut zu sprechen ist sehr wichtig. Das sind alles Möglichkeiten, um damit verschiedene Gehirnregionen anzusprechen. Mindestens fünf Stellen des Gehirns sind beim Lernen eines neuen Wortes beteiligt.

WDR: Verlernt man eine Sprache tatsächlich so schnell, wenn man sie nicht regelmäßig spricht?

Schiffler: Sie sollten die Sprache tatsächlich regelmäßig sprechen, um sie im aktiven Gedächtnis zu bewahren. Wenn Sie aber glauben, Sie haben die Sprache vergessen, dann ist das nicht der Fall. Sie haben sie nur aus dem aktiven Gebrauch gestrichen. Denn wenn Sie beginnen, die Sprache erneut zu lernen, werden die entsprechenden Gehirnareale mit den "schlummernden" passiven Kenntnissen wieder angeregt und aktiviert.

WDR: Lässt es sich abends eigentlich besser lernen?

Schiffler: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass wir kurz vor dem Einschlafen sehr gut lernen können. Vorausgesetzt, es kommen keine anderen störenden Informationen dazu. Vor dem Schlafen gehen kann man am besten etwas behalten. Vokabeln lernen am Abend kann ich also nur jedem empfehlen. Das Gehirn kann dann in den Schlafphasen den Lernstoff besser verarbeiten.

WDR: Haben Sie konkrete Tipps, die beim Erlernen einer Sprache helfen?

Schiffler: Um besser zu lernen sollte man verschiedene Wege beschreiten. Sehr effektiv ist es, mit einem Partner zu lernen und sich gegenseitig zu kontrollieren. Außerdem sollte man auch das Gehör miteinbeziehen, das Gelernte nochmals in einem entspannten Zustand auf CDs hören und sich das Geschehen visuell vorzustellen. Vor Kurzem habe ich so mit einer 10. Klasse in einer Schulstunde 54 unbekannte Vokabeln im Kontext mit dem sogenannten "Triple Coding" gelernt, das heißt mit Bewegung, Entspannung und in Partnerlernen. Nach einem Monat wurde mit Bewegung, Partnerarbeit und Wörternetzen wiederholt. Nach 10 Monaten konnten die Schüler noch 74 Prozent der Vokabeln schriftlich reproduzieren.

Das Interview führte Benjamin Esche

Stand: 22.11.2016, 13:52