Neue Studie: So haben die Deutschen Sex

Männer- und Frauenfüße im Bett

Neue Studie: So haben die Deutschen Sex

Wie haben die Deutschen Sex? Wie schützen sie sich und ihre Partner? Antworten gibt ein Autor einer neuen repräsentativen Studie im Auftrag des Deutschen Ärzteblatts.

Christoph Kröger ist Professor für Psychologie an der Uni Hildesheim und einer der Autoren einer repräsentativen Befragung zum Sexualverhalten in Deutschland. Die Ergebnisse werden am Montag (21.08.2027) vorgestellt.

WDR.de: Herr Kröger, Sie haben gut 2.500 Männer und Frauen in Deutschland zu ihren sexuellen Praktiken, Verhalten und Vorlieben befragt. Was hat Sie am meisten überrascht?

Prof. Christoph Kröger: Viele Menschen in der Altersgruppe der sexuell besonders Aktiven – zwischen 20 und 40 Jahren – haben Vaginalverkehr und nutzen keine Kondome. Das gilt auch für diejenigen, die außerhalb der Partnerschaft Sex haben. Das passt zu der Tatsache, dass sexuell übertragene Krankheiten wie HIV, Chlamydien und HPV, also die Ansteckung mit Humanen Papillomviren, wieder auf dem Vormarsch sind.

Herausgefunden haben wir außerdem, dass viele Menschen sich Treue in der Partnerschaft wünschen, diesem Anspruch aber nicht gerecht werden. Sie gehen also fremd und benutzen oft kein Kondom – weder in der Partnerschaft noch beim außerpartnerschaftlichen Verkehr. Die Gefahren, die daraus auch für den festen Partner oder die feste Partnerin resultieren, werden oft nicht thematisiert – vor allem nicht bei heterosexuellen Paaren.

Die Ergebnisse:

Gut 2.500 Männer und Frauen in Deutschland im Alter zwischen 14 und 100 Jahren wurden für die Studie befragt.

  • 82 Prozent der Frauen und 86 Prozent der Männer bezeichnen sich als heterosexuell
  • 88 Prozent hatten schon mal Vaginalverkehr
  • knapp die Hälfte hatte auch aktiven oder passiven Oralverkehr
  • 4 Prozent der Männer und 17 Prozent der Frauen hatten schon mal rezeptiven Analverkehr
  • 5 Prozent hatten einmal, 8 Prozent mehr als einmal ungeschützten Geschlechtsverkehr außerhalb der Partnerschaft
  • 7 Prozent der Frauen haben schon mal die "Pille danach" genommen, 3 Prozent mehr als einmal
  • 8 Prozent der Männer hatten mindestens einmal Kontakt zu Prostituierten

WDR.de: Es scheinen sich aber auch Stereotype zu bewahrheiten: Männer haben mit durchschnittlich 10,23 Partnerinnen doppelt so viele Sexualpartner im Laufe ihres Lebens wie Frauen (5,46). Die Zahl liegt wohl höher als das, was man eigentlich annehmen würde. Männer prahlen, Frauen nicht?

Kröger: Das, was die Männer angeben, ist schon auffällig. Die Zahlen deuten aber auch darauf hin, dass vor allem jüngere Frauen auch mehr sexuelle Kontakte haben. Da zeigt sich schon auch ein Stück weit die Gleichberechtigung.

WDR.de: Hat die Digitalisierung, also auch die Verfügbarkeit von Pornografie, aus Ihrer Sicht Einfluss auf das Sexualverhalten?

Kröger: Das haben wir in der Befragung nicht explizit erhoben, aber ich erfahre in der klinischen Praxis, dass Pornografie einen Einfluss hat. Mit Porno lässt sich Einsamkeit beseitigen, vor allem bei jüngeren Männern. Wir erleben aber eine Erotisierung auch der Frauen, es gibt Frauen-Pornos, spezielle Läden für Frauen.

Rosa Kondom

Alarmierend: Kondome werden zu selten genutzt

Das kann vor allem für Jugendliche problematisch sein: Sie unterscheiden nicht zwischen Realität und Porno und verstehen nicht, dass diese Filme eine Inszenierung sind. Dabei entstehen Bilder im Kopf, die nicht gut sind. Das Partnerschaftliche bleibt auf der Strecke, der soziale Bezug der Sexualität geht verloren.

WDR.de: Wie schätzen Sie die Sexualität der Deutschen ein?

Kröger: Ähnlich wie die anderer Europäer. Interessant finde ich, dass 19 Prozent der Männer angeben, Analverkehr zu praktizieren, bei den Frauen sind es immer 17 Prozent (passiv). Das finde ich schon viel, das war vor 20 Jahren bestimmt anders.

Aber man muss auch bedenken, dass das alles Mittelwerte sind. Innerhalb der Alters-Kohorten gibt es schon auch eine große Varianz.

Die Fragen stellte Annika Franck.

Stand: 19.08.2017, 06:00