Service Psychologie: Suche nach einem Therapieplatz

Service Psychologie: Suche nach einem Therapieplatz

Von Lena Mörsch

Manche Krisen gehen nicht von alleine vorbei. Menschen, die zum Beispiel an einer Depression oder Angststörung leiden, brauchen professionelle Hilfe. Die Suche nach einem Therapieplatz erfordert aber oft Geduld.

In einer seelischen Notlage wenden sich viele Menschen zuerst an ihren Hausarzt oder ihre Hausärztin. Diese können abklären, ob vielleicht eine organische Ursache hinter der Krise steckt und beraten, was die nächsten Schritte sein können. Um zu einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin zu gehen, braucht man aber keine Überweisung.

Kassenzulassung wichtig

Adressen von geeigneten Therapiepraxen findet man zum Beispiel im Internet auf den Seiten der Kassenärztlichen Vereinigungen oder der Psychotherapeutenkammer. Wichtig ist, dass es sich um approbierte Psychotherapeuten/-innen mit einer Kassenzulassung handelt, damit die Kosten einer möglichen Behandlung auch von der Krankenkasse übernommen werden. Wer in einer Praxis anruft, sollte sich nicht abschrecken lassen, wenn nur der Anrufbeantworter zu erreichen ist. Denn die Praxen sind meist klein und haben kein Vorzimmer für Anfragen. Oft bieten sie eine bestimmte Telefonsprechzeit an.

Wartezeit

Eine Frau bei der Beratung bei einem Arzt

Wer in einer Therapiepraxis anruft, kann auch die Antwort bekommen, dass aktuell kein Behandlungsplatz frei ist und man sich nur auf einer Warteliste eintragen kann. Die Wartezeit auf einen Therapieplatz hängt von vielen Faktoren ab, wie etwa ob man in einer Großstadt oder auf dem Land sucht, ob man zeitlich flexibel ist oder nur nach Feierabend in die Therapie kommen kann. Laut der Psychotherapeutenkammer kann es in Nordrhein Westfalen je nach Region mehrere Monate dauern, bis man einen ersten Gesprächstermin bekommt. Und nach dem Erstgespräch kann bis zum Beginn der eigentlichen Behandlung auch nochmal Zeit vergehen. Therapeut Helmut Dikomey aus dem Kreis Recklinghausen rät dazu, es nicht als persönliche Zurückweisung oder Kränkung zu erleben, wenn in einer Praxis kein Behandlungsplatz mehr frei sein sollte. Je mehr Praxen man anrufe, desto größer sei die Chance, einen Behandlungsplatz zu finden.

Regionale Netzwerke

Manche Therapeuten bilden Netzwerke in ihrer Region, um Betroffene schneller an freie Therapieplätze bei Kollegen/-innen vermitteln zu können. Mit einem Anruf ist man dann quasi gleich bei mehreren Therapiepraxen auf der Warteliste. Ein anderes Angebot bietet beispielsweise die Kassenärztliche Vereinigung mit der "Zentralen Informationsbörse Psychotherapie". Betroffene können dort anrufen und bekommen dann Adressen von Praxen, die freie Plätze gemeldet haben.

Kostenerstattungsverfahren

Wer bei den Psychotherapeuten mit Kassenzulassung in seiner Region keinen Therapieplatz findet, für den kann das so genannte Kostenerstattungsverfahren eine Möglichkeit sein. Das heißt, man stellt einen Antrag darauf, dass die Krankenkasse auch die Kosten für die Therapie in einer Privatpraxis, in der approbierte Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung arbeiten, übernimmt. Die Bundespsychotherapeutenkammer bietet auf ihrer Internetseite ein Musteranschreiben dafür. Sie rät auch dazu, dem Antrag die Bescheinigung eines Arztes beizufügen, dass die therapeutische Behandlung notwendig und unaufschiebbar ist, und außerdem die vergebliche Suche nach einem Psychotherapeuten – also die Absagen am Telefon - in mindestens drei bis fünf Fällen schriftlich genau zu dokumentieren.

Service Psychologie ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Leonardo. Zu hören donnerstags zwischen 15.05 Uhr und 17.00 Uhr.

Stand: 04.10.2016, 11:03