Pferde im Karneval – was sagt die Wissenschaft?

Pferde im Rosenmontagszug

Pferde im Karneval – was sagt die Wissenschaft?

Von Sarah Ziegler

  • Pferde lassen sich für solche Situationen trainieren
  • Stresslevel bei Festumzügen ähnlich hoch wie beim Springreiten
  • Auch die Rahmenbedingungen sind entscheidend

In freier Wildbahn sind Pferde Beutetiere. Ständig überwachen sie ihre Umgebung, sogar wenn sie mit herunterhängendem Kopf grasen. Möglich machen das ihre seitlich stehenden Augen. Sie erlauben den Pferden einen fast 360-Grad-Rundumblick. Erkennen sie eine Gefahr, reagieren sie – im Zweifel mit Flucht. Das erklärt auch, warum Pferde auf laute Geräusche oder unerwartete Bewegungen schreckhaft reagieren.

Training: Schritt für Schritt

Es ist aber möglich, Pferden Ruhe und Gelassenheit in solchen Situationen anzutrainieren. Als besonders erfolgreiche Methode hat sich in einer skandinavischen Studie die Desensibilisierung erwiesen. Dabei wird das Pferd Stück für Stück an einen ungeliebten Reiz gewöhnt. So hört es zum Beispiel erst nur leise Trommelschläge. Reagiert es auf diese gelassen, wird die Lautstärke erhöht.

Allerdings lassen sich nicht alle Pferde gleichermaßen gut trainieren, denn Pferde haben individuelle Charaktere. Manche sind zu ängstlich, um je bei Karnevalszügen oder anderen Jobs – zum Beispiel als Polizeipferd - eingesetzt zu werden. Das heißt: Zeigt ein Pferd in einem Umzug akute Zeichen von Stress, ist es entweder falsch trainiert worden, zum Zeitpunkt des Zugs nicht gesund oder charakterlich grundsätzlich nicht für diese Aufgabe geeignet.

Gleiches Stresslevel wie im Pferdesport

Was das Mitlaufen in einem Karnevalszug für Pferde bedeutet, ist wissenschaftlich kaum erforscht. Eine Masterarbeit an der Uni Zürich hat 2017 festgestellt, dass die Pferde in einem Festumzug – Feuerwerk, Musik und Menschenmassen inklusive – ähnliche Stresswerte hatten wie Pferde bei einem Spring- oder Dressurwettkampf. Ihr Herzschlag war erhöht und ihre Körper schütteten verstärkt das Stresshormon Kortisol aus. Doch die Werte seien akzeptabel, schlussfolgerten die Forscher. Es sei für die Tiere körperlich zumutbar, beim Umzug mitzulaufen. Ob es aber moralisch vertretbar ist, bleibt eine offene Debatte.

Gute Planung nötig

Entscheidend sind auch die Rahmenbedingungen eines Festzugs. Läuft ein Tier direkt hinter einer Musikkappelle her, lassen sich höhere Stresslevel vermuten als in einem ruhigeren Teil des Zugs. Auch der Untergrund, auf dem das Pferd läuft, die Erfahrung des Reiters, die Länge der Strecke, das Gewicht und die Art der Ausrüstung – schwere Trommeln zum Beispiel – spielen eine Rolle für das Pferd. Ob es möglich ist, eine allgemeingültige wissenschaftliche Aussage über das Pferdewohl bei Großveranstaltungen zu treffen, bleibt offen.

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Pferde bei Großveranstaltungen

WDR 5 Leonardo Top Themen | 13.02.2018 | 06:06 Min.

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Stand: 13.02.2018, 17:36