Wenn Patienten ihren Arzt nicht verstehen

Arzt im Gesprõch mit Patient, erklart ihm die Funktionsweise eines künstlichen Hüftgelenks.

Wenn Patienten ihren Arzt nicht verstehen

Von Annika Franck

Kennen Sie das auch? Sie gehen zum Arzt, verstehen aber gar nicht, was der Ihnen sagen will. Damit sind Sie nicht alleine. Für viele Menschen sind Informationen rund um die Gesundheit einfach zu kompliziert - sagen Experten.

Mehr als die Hälfte der Deutschen, rund 54 Prozent, haben keine ausreichende Gesundheitskompetenz - das hat eine Studie der Uni Bielefeld ergeben. Sie sind also nicht in der Lage, die richtigen Informationen zu finden, zu verstehen, einzuordnen oder zu nutzen.

Viele Menschen sind betroffen

"Das ist nicht nur ein Problem für die 7,3 Millionen funktionellen Analphabeten", betont Doris Schaeffer, Professorin für Gesundheitswissenschaften an der Uni Bielefeld. Auch große Teile der allgemeinen Bevölkerung haben keinen Zugriff auf notwendige und sinnvolle Informationen. "Es gibt zwar eine Flut von Informationen auf unterschiedlichen Kanälen", betont Schaeffer. Aber für viele Menschen sei es schwierig, unabhängige Quellen zu identifizieren und die relevanten Punkte herauszufiltern.

Die Studie der Bielefelder hat zudem gezeigt, dass vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke, Menschen mit niedrigem Bildungsgrad und Menschen mit Migrationshintergrund Schwierigkeiten haben, sich kompetent zu informieren. Diese soziale Ungleichheit gelte es, zu beseitigen, meint Schaeffer: "Wir müssen uns einerseits an die Allgemeinbevölkerung wenden, aber eben auch an diese speziellen Gruppen." Wichtig sei dabei auch die Motivation, betont Klaus Koch vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): "Man muss die Dinge selbst verstehen und in die Hand nehmen wollen."

Informationen besser zugänglich machen

Ein Weg zu besseren Informationen könnte sein, nicht nur auf Schriftsprache zu setzen. "Wir brauchen leichter verständliche Infos und ein kommunikativeres Gesundheitssystem". Bisher sei beispielsweise das - in der Regel sehr kompetente - Pflegepersonal in die Kommunikation mit Patienten nicht wirklich eingebunden. "Das können wir uns auf Dauer nicht erlauben", meint Schaeffer. "Die Deutschen wünschen sich bisher allerdings in erster Linie die Droge Arzt", fügt sie hinzu. Vor allem aus ärztlichem Mund klingen für die meisten Patienten Informationen glaubhaft. Das funktioniert aber - wie die Zahlen beweisen - nicht in ausreichendem Maße.

Was können Patienten tun?

Ärzte stärker weiter zu bilden und in Kommunikation zu trainieren ist ein wichtiger Punkt. Aber auch die Patienten spielen einen wichtigen Part. Aus den USA stammt beispielsweise die Idee, dass man dem Arzt drei wichtige Fragen stellen soll:

  • Was habe ich?
  • Was muss ich machen?
  • Warum ist es wichtig, die Therapie-Vorschläge meines Arztes zu befolgen?

Wenn man nur wenig Zeit hat, sollte man "einen Vertrauten mitnehmen, der einen unterstützt", rät Klaus Koch. Für Ärzte gilt laut Schaeffer, dass sie ihre Informationen eher häppchenweise an die Patienten weitergeben und in der Gesprächsführung sicherstellen, dass ihr Gegenüber auch alles verstanden hat. Experten weisen zudem darauf hin, dass Arzt und Patienten gemeinsam zu einer Entscheidung über die Therapie kommen müssen. "Oft wird gar nicht darüber nachgedacht, ob Patienten eine bestimmte Therapie auch wollen", betont Doris Schaeffer.

Ein Problem ist auch einzuschätzen, ob die Informationen verlässlich sind. "Das ist selbst für kompetente Patienten nicht leicht", sagt Klaus Koch vom IQWiG. Dafür wäre ein unabhängiges Portal sinnvoll. Die Bundesregierung plant, genau so ein Online-Portal mit seriösen Gesundheits-Informationen einzurichten.

Stand: 01.02.2017, 06:00