Partydrogen - was Eltern tun können

Stand: 18.08.2017, 10:00 Uhr

  • Viele junge Erwachsene greifen wieder zu Drogen
  • Wie gefährlich diese werden, entscheidet sich oft in der Kindheit
  • Kinder müssen Umgang mit schlechten Erfahrungen lernen
  • Eltern und Kinder suchen gemeinsam nach Lösungen

Von Sonja Kolonko

"Wenn Drogen für einen jungen Menschen zum Problem geworden sind, wenn sie seinen Alltag negativ beeinflussen, dann ist nicht nur das Leben des Jugendlichen in Schieflage, sondern oft das ganze System Familie", weiß Psychotherapeut Werner Hübner aus Erfahrung. Er hat über 25 Jahre lang als Suchtberater gearbeitet, zuletzt bei der ambulanten Suchtberatungsstelle 'update' für Jugendliche in Bonn.

Oft reiche es nicht, mit dem Jugendlichen zu sprechen. Dann müssten auch die Eltern mit ins Boot genommen werden. Vielfach seien es aber auch die Eltern, die kommen, weil sie sich Sorgen machen um ihre Kinder, die plötzlich "komisch" werden.

Ab wann Eltern sich Sorgen machen sollten

Die Anzeichen unterscheiden sich, je nachdem ob es sich um sedierende, also beruhigende, oder aufputschende Drogen handelt. Sedierende Drogen wie z.B. Cannabis führen in der Regel zu Motivationsproblemen. "Ein typisches Warnzeichen ist, wenn Kinder plötzlich ihren Lieblingssport oder ihr Lieblingsfach vernachlässigen", so Hübner.

Nehmen Jugendliche dagegen aufputschende Mittel wie Amphetamine, also Speed oder Ecstasy, merke man das etwa daran, dass sie am Wochenende überhaupt nicht mehr zu Hause seien. Wenn Eltern eines dieser Warnzeichen bemerken, sollten sie zunächst das Gespräch mit ihren Kindern suchen, rät der Experte - und erst mal ruhig bleiben.

Das empfiehlt auch Prof. Thomas Banger von der LWL Klinik in Bonn: "Wenn ein Jugendlicher ein paar Mal Ecstasy konsumiert, ist das noch kein Drama. Erst wenn erkennbar ist, dass es sich hier nicht mehr um jugendliches Experimentierverhalten handelt, sondern um einen gewohnheitsmäßigen Konsum sollte man sich externe Hilfe suchen!"

Was bringen Verbote?

Werner Hübner hält nicht viel von Verboten. Das mache die Drogen doch gerade erst interessant. Eigentlich müsse man viel früher ansetzen als Eltern, denn die Weichen für eine spätere Sucht werden oft bereits in frühster Kindheit gestellt: "Wenn ein Kind gefallen ist und Schmerz empfindet, schreit, weint, können Eltern das Kind entweder trösten oder das Phänomen 'Schmerz'" versuchen wegzuschieben und sich eines 'externen Trösters' zu bedienen: Süßigkeiten, Gummibärchen etc."

Ein Mann raucht einen Joint Cannabis

Verbote machen Drogen noch interessanter

Das sei ein "Strukturmoment", in dem das Kind lerne: Ich muss mich nicht stellen, muss nichts erleiden, es gibt immer "etwas", das mir den Schmerz, das Leid nimmt. In jedem Lebens- und Entwicklungszeitraum werde das dann etwas anderes sein, auf die Gummibärchen folge das Ipad, die Spielekonsole und dann eben Cannabis, Amphetamine und Co.

Lernen, Leid auszuhalten

Etwas aushalten, sich auseinander zu setzen mit einer misslichen Lage werde so nie gelernt, stattdessen eine Suchtpersönlichkeit geformt, die gewohnt ist über externe Tröster ihr inneres Leid zuzudecken.

Doch wenn Weichen wohlmöglich falsch gestellt wurden und jetzt Verbote nichts bringen - was bleibt Eltern dann, um ihren Kindern zu helfen? Suchtexperten raten, sich mit seinen Kindern zusammen etwas zu überlegen, wie der Konsum reduziert oder eingestellt werden kann. Manchmal helfen Gespräche mit einem externen Suchtberater. Oder Angebote alternativer Grenzerfahrungen: Vielleicht vergeht die Lust auf eine künstliche, chemische Grenzerfahrung, wenn der Jugendliche gerade Kitesurfen gelernt hat oder beim Klettern einen neuen Höhenrekord schafft.

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