Reiz und Risiko von Partydrogen

Touristen tanzen bei einer Party in der Discothek zu der Musik

Reiz und Risiko von Partydrogen

Von Sonja Kolonko

  • Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung vorgestellt
  • Besonders Erwachsene zwischen 25 und 39 Jahren greifen oft zu Drogen
  • Partydrogen sind beliebter als Alkohol

Früher wurde bei Partys viel getanzt und irgendwann getorkelt. Wer heute in Clubs geht, sieht auch zu fortgeschrittener Stunde noch erstaunlich nüchternde Partygäste. Die stehen meist mit Wasserflaschen auf der Tanzfläche - aber dafür mit riesigen Pupillen. Während der Konsum von Tabak und Alkohol zurückgeht - gewissermaßen ein bisschen "out" ist - steigt der von Partydrogen wie Ecstasy, Amphetaminen, Kokain und Cannabis stetig an.

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist im Jahr 2016 zum vierten Mal in Folge gestiegen. Im vergangenen Jahr starben bundesweit 1.333 Menschen, weil sie illegale Substanzen wie Heroin, Kokain oder Crack konsumierten - neun Prozent mehr als im Vorjahr. Warum gerade Bayern die meisten Drogentoten verzeichnete, ist nach Angaben der Drogenbeauftragten Marlene Mortler (CSU) unklar.

Als positiven Trend hob die Drogenbeauftragte hervor, dass der Tabak- und Alkoholkonsum bei Jugendlichen in den vergangenen 15 Jahren um zwei Drittel beziehungsweise um die Hälfte zurückgegangen sei. Allerdings warnte Mortler eindringlich vor den Gefahren von Cannabis. Die Droge werde immer beliebter, gleichzeitig steige laut Mortler der Anteil gefährlicher Bestandteile in Cannabis. 6,1 Prozent der Erwachsenen geben laut Drogenbericht zu, im vergangenen Jahr Cannabis konsumiert zu haben. Den größten Schaden richten allerdings immer noch legale Suchtstoffe wie Alkohol und Tabak an. 2016 seien 121.000 Menschen an den Folgen ihres Tabak-Konsums gestorben, zudem gab es 74.000 Alkohol-Tote.

Alkohol reicht nicht als Grenzerfahrung

Oft gehe es mit dem Konsum bereits im "jugendlichen Probieralter" los, denn Teenager brauchen Grenzerfahrungen, wollen den Kitzel des Verbotenen spüren - und Alkohol biete den längst nicht mehr, sagt Psychotherapeut Werner Hübner. Er hat über 25 Jahre lang als Suchtberater gearbeitet, zuletzt bei der ambulanten Suchtberatungsstelle 'update' für Jugendliche in Bonn.

Was Ecstasy so beliebt macht

Besonders MDMA (Ecstasy) kann für Jugendliche sehr verführerisch sein, denn die Erfahrung sei zunächst eine sehr angenehme, beschreibt Hübner: Der Körper schütte massenhaft Glückshormone aus, man fühle sich eine Nacht lang stärker, wacher, glücklicher und habe am nächsten Tag keinen Kater wie bei Alkohol. Nicht zu hoch dosiert gelte MDMA zudem als relativ ungefährlich.

Risiko MDMA?

Das Abhängigkeitspotenzial von Ecstasy ist zwar geringer als das von Alkohol oder den klassischen Amphetaminen. Dennoch gilt als sicher, dass der Konsum von MDMA die Funktion einer bestimmten Klasse von Nervenzellen beeinträchtigt. Sie werden überstimuliert, indem Ecstasy die Wiederaufnahme von Serotonin verhindert.

Ecstasytabletten und Amphetamin-Derivate

Ecstasytabletten und Amphetamin-Derivate

Der Botenstoff wirkt stimmungsaufhellend. Ein Mangel an Serotonin steht seit Jahrzehnten in Verdacht, an der Entstehung von Depressionen beteiligt zu sein. Ein weiteres Risiko: Man kann sich nie sicher sein, wieviel des Wirkstoffs drin ist und was sonst noch. So haben Drogentests der Stadt Zürich gezeigt, dass Ecstasypillen immer höhere Wirkstoffkonzentrationen enthalten.

Zugleich kursieren immer wieder Pillen mit den Wirkstoffen Methoxyamphetamin (PMA) und Para-Methoxymethylamphetamin (PMMA), die äußerlich nicht von MDMA zu unterscheiden sind. Da die Wirkung später eintritt als die von MDMA dosieren viele Konsumenten nach, mit teils dramatischen Folgen wie Herzrhythmusstörungen, krampfartigen Anfällen bis hin zu einem tödlichen Multiorganversagen.

Stand: 18.08.2017, 10:00

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