Längere Ehen durch Onlinedating?

Ein Paar genießt die romantische Stimmung am Aachener Weiher in Köln

Längere Ehen durch Onlinedating?

Von Ildiko Holderer

  • Forschungsarbeit zufolge halten Onlinedating-Ehen länger
  • Theoretisches Modell sagt auch mehr interethnische Ehen vorher
  • Verschiedene Faktoren für Stabilität der Beziehung

Erst der Online-Chat, dann das Date und schließlich bis ans Lebensende glücklich verheiratet? Einem Modell von englischen und österreichischen Forschern zufolge scheiden sich Paare weniger häufig, wenn sie sich beim Onlinedating kennengelernt haben. Das theoretische Modell unterlegen die Ökonomen Ortega und Hergovich mit Daten aus den USA, unter anderem mit einer Studie von 2013.

Dabei wurden über 19.000 Amerikaner befragt, die zwischen 2005 und 2012 geheiratet hatten. Paare, die sich beim Onlinedating kennengelernt hatten, trennten sich demzufolge weniger häufig und wiesen auch allgemein eine größere Zufriedenheit in der Ehe auf.

Bessere Auswahl?

Soziologe Andreas Schmitz von der Universität Bonn hat selbst zu Onlinedating geforscht. Er sagt: "Diese These ist grundsätzlich plausibel. Beziehungen aus Dating-Plattformen können vor allem dann eine höhere Stabilität aufweisen, wenn das System des Dating-Portals effizient ist."

Heißt: Je "besser" das Dating-Portal auswählt, desto größer die Chance auf eine lange Ehe? Laut Schmitz sind hier Faktoren wie ein ähnlicher Lebensstil, die gleiche Region oder eine ähnliche Einstellung von Bedeutung.

Empirische Daten, die diese Hypothese für deutsche Ehen belegen könnten, gibt es laut dem Soziologen Hans-Peter Blossfeld von der Universität Bamberg allerdings nicht.

Online-Dating und interethnische Ehen

Auch die zweite Hypothese des Modells, nach dem Onlinedating zu mehr interethnischen Ehen – also beispielsweise zu einer Ehe zwischen einem Afro-Amerikaner und einer weißen Amerikanerin – führe, müsse kritisch betrachtet werden. „Die These, dass das Kennenlernen über Dating-Plattformen im Internet sozial offener ist, ist für alle Merkmale außer für die ethnische Herkunft widerlegt“, so Blossfeld.

Zum Abgleich der These mit Daten setzen Ortega und Hergovich den Prozentsatz der interethnischen Ehen bei den Neuverheirateten in den USA in Beziehung mit den Daten zu besonders erfolgreichen Zeiträumen des Onlinedatings. Ob jedoch hier tatsächlich ein Kausalzusammenhang besteht, ist fraglich. Denn auch andere Faktoren spielen eine Rolle.

"Nur Hinweise auf Entwicklungen"

Laut Andreas Schmitz kann es zwar zu einer Erhöhung von interethnischen Beziehungen kommen, dafür seien aber diese Paare in der Regel in anderer Hinsicht umso ähnlicher – zum Beispiel in Bezug auf Lebensstil oder Einkommen.

Dies merken auch die Autoren der Arbeit an. "Zunächst einmal können die Daten im Abgleich mit dem Modell nur Hinweise auf Entwicklungen geben", sagt Philipp Hergovich, einer der Autoren der Arbeit. Das Modell sei eine stark vereinfachte Darstellung der Wirklichkeit und müsse in Zukunft weiter überprüft werden.

Stand: 18.10.2017, 11:41