Lernen Studenten nur noch für Noten?

Montage Studenten an der Universität schreiben eine Statistik-Klausur / Noten

Lernen Studenten nur noch für Noten?

Von Andreas Sträter

  • Zensuren sind Studierenden wichtiger als Inhalte
  • Leistungsdruck beginnt schon in der Schule
  • Manche Studenten sind mit "gut" noch unzufrieden

Powerlernen ist eine Wortneuschöpfung, die gut in unsere Zeit passt. Viele Studenten lernen nur noch, um bewertet zu werden - das zeigt sich gerade jetzt während der Klausurphase in den Universitäten. "Die Notenfixierung nimmt zu, während das inhaltliche Interesse abnimmt", sagt Hans Peter Klein, Fachdidaktiker für Biowissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt, dem WDR. Viele Studenten beschäftigten sich nicht mehr mit Inhalten, wenn diese nicht in einer Zensur enden, ergänzt er.

Eintrichtern, abliefern, vergessen

Studenten sitzen im Hörsaal

Geht es in der Uni nur noch um Zensuren?

"In den wenigen Veranstaltungen, in denen es Kreditpunkte ohne Note gibt, hält sich der Aufwand der Studierenden in Grenzen", sagt der Bildungsforscher. Die meisten Studenten konzentrierten sich auf die Veranstaltungen, in denen es entscheidende Noten gebe. Klein führt dies auf die verschulten Bachelorstudiengänge zurück. Es gehe nur darum, sich etwas einzutrichtern, es abzuliefern und dann wieder zu vergessen. In früheren Diplomstudiengängen sei der Notendruck geringer gewesen, erklärt Klein.

Früher war auch nicht alles besser

Gisela Stein, Professorin für Psychologie an der Universität Duisburg-Essen, ist anderer Meinung: "Ich wage zu bezweifeln, dass Studierende früher motivierter waren", erläutert sie. "Wenn man Studenten motiviert und verdeutlicht, was sich als nützlich erweisen könnte, dann beschäftigen sie sich durchaus mit Inhalten, die über die Prüfungsleistung hinausgehen."

Zunehmender Leistungsdruck in der Schule

Dass es schon in der Schule einen zunehmenden Leistungsdruck gibt, beobachtet Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologenverbandes NRW. "Angesichts des Numerus Clausus in fast allen Fächern achten Oberstufenschüler viel stärker auf Noten als noch vor anderthalb Jahrzehnten", sagt Silbernagel.

Sind Noten wirksam?

Silbernagel ist der Auffassung, dass Schüler und Studenten vor allem von Inhalten angesprochen werden sollten. Auch hinsichtlich des Konkurrenzdrucks im späteren Beruf seien Noten durchaus pädagogisch sinnvoll. Dennoch sollte mit zunehmendem Alter das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Fakten und Zusammenhängen reifen, sagt Silbernagel.

Bestnoten sind schon die Regel

Bildungsforscher Hans Peter Klein erläutert, dass es wegen der Noteninflation für alle möglichen Leistungen - mit Ausnahme von Jura - fast ausschließlich nur noch Bestnoten gebe: "Studenten sind schon mit der Note 'gut' nicht mehr zufrieden."

Stand: 08.02.2017, 06:00