No-Poo-Bewegung: Verzicht auf Shampoo und Seife

Montage: Frau wäscht sich die Haare mit Wasser, Schampooflaschen sind durchgestrichen

No-Poo-Bewegung: Verzicht auf Shampoo und Seife

Von Andreas Sträter

  • Ohne Shampoo zu duschen, ist für die meisten abwegig.
  • "No-Poo"-Bewegung ist zu einem Social Media-Phänomen gewachsen.
  • Können wir unsere Talgdrüsen "erziehen"?

Für die einen ist es einfach unhygienisch, für die anderen der Weg zu schönem Haar und gesunder Haut. Es gibt Menschen, die absichtlich auf die tägliche Dusche verzichten und generell Shampoos oder Waschgels vermeiden.

Social Media-Trend

Die Anhänger der "No-(Sham)Poo"-Bewegung sind überzeugt: Wenn die Haare nur noch mit Wasser gewaschen werden, wirken sie nach einiger Zeit gesünder, fallen günstiger und glänzen stärker. Bei You Tube, Facebook oder Twitter lassen sich bei diesem Thema Millionen Treffer erzielen.

Ob die Methoden den gewünschten Effekt erzielen, ist hoch umstritten. Kritisch äußert sich auch Dermatologe Elmar Ehring von der Hautklinik Münster: "Solche Trends kommen in Wellen und werden durch Social Media verstärkt", sagte er dem WDR. "Früher galten Teebaumöl, Murmeltierfett oder Stutenmilch als angesagt, heute ist es das Weglassen von Shampoo."

Talgdrüsen haben keine Sensoren

Dass sich die Fettproduktion an das Nichtwaschen von Haut und Haar gewöhnt und dadurch weniger wird, hält er für unmöglich. "Es gibt keine Rezeptoren auf der Haut, die wissen, ob genügend Talg produziert wird."

Frau trocknet sich die Haare ab

No-Poo: Ist Wasser ausreichend?

Die Talgproduktion sei sehr individuell. Damit entkräftet er die Theorie der "No-Poo"-Anhänger, wonach die Talgproduktion nach einigen Wochen ohne Shampoo nachlasse und sich Haut und Haare an die Minimalpflege gewöhnten.

Ohne Seife und Shampoo ließen sich zudem auch nicht alle Bakterien und Rückstände auf der Haut und im Haar entfernen, sagt Selma Ugurel, Oberärztin am Institut für Dermatologie des Universitätsklinikum Essen. "Ganz ohne Seife, das kann ich mir einfach nicht vorstellen." Hinzu kommt: Der natürliche Körpergeruch ist nicht mehr gesellschaftsfähig.

Roggenmehl statt Shampoo?

Dass einige Anhänger der "No-Poo"-Bewegung ihre Haare mit Roggenmehl abpudern, kann sich Ugurel gut vorstellen. "Weil Puder die Geruchsbildung reduziert." Mit Seife könne man das Mehl jedoch nicht vergleichen. Für empfindliche Haut empfiehlt die Essener Dermatologin sensitive Waschlotionen und Shampoos.

30 Prozent produzieren zu wenig Talg

Es gibt allerdings auch Menschen, die sich gar nicht so häufig duschen müssten. Wer – wie 30 Prozent der Menschen – zu wenig Talg produziert und dementsprechend zu trockener Haut neigt, hat auch weniger fettendes Haar. Im Umkehrschluss ist der minimalistische Beauty-Trend für Menschen mit hoher Talgproduktion ungeeignet. "Wenn die Haare fettig sind, dann kriege ich das mit Wasser alleine gar nicht raus", sagte der Münsteraner Hautarzt Ehring dem WDR.

Der Trend lässt sich als Rückbesinnung auf eine Zeit verstehen, in der es noch keine Badezimmer gab. "Das hat die Evolution auch gar nicht vorgesehen", so Ehring. Der Mensch sei nicht fürs tägliche Duschen geeignet, räumt er allerdings ein.

Stand: 19.07.2017, 12:41