„Es geht dem Gehirn wie Butter von den Synapsen.“

Donald Trump und Hillary Clinton im Rededuell

„Es geht dem Gehirn wie Butter von den Synapsen.“

Es läge so nahe: Einfache Sprache, einfache Antworten, Kriegsrhetorik – spricht eben die etwas simpler Gestrickten an. Falsch, sagen Forscher: Intelligenz ist nicht das Entscheidende.

Eigentlich war es Trumps Terrain: Möglichst einfach zu sprechen. Doch das letzte TV-Duell vor der Wahl hat gezeigt: Clinton probiert es jetzt auch – während Trump versucht, sich ruhiger und präsidialer zu geben. Was auffällt: Er setzt verstärkt auf Kriegsrhetorik. Schon das letzte Duell haben wir mit Kognitionsforschern analysiert – und haben nachhakt. Was hat sich verändert – und vor allem: Wen erreichen die Kandidaten damit?

1. Strategiewechsel Clinton: Bitte möglichst einfach

Schon länger analysiert die kognitive Linguistin Elisabeth Wehling die Sprache der beiden Präsidentschaftskandidaten. Ihr Fazit nach dem zweiten TV-Duell vor knapp zwei Wochen war eindeutig: Trump spricht wie ein Viertklässler – und das macht ihn erfolgreich. Denn: Einfache Sätze wecken Bilder im Kopf und bleiben länger hängen. Hillary Clinton dagegen spricht deutlich komplizierter. Doch dieses Mal versuchte nun auch sie die Strategie der Einfachheit – mit durchwachsenem Erfolg.

Das sagt die Forscherin:
„Hillary Clinton hat klar aufgeholt! Sie ist konkreter geworden, hat über ihre Sprache klare und eindringliche Bilder entworfen. Beispiel: Anstatt zu sagen, Trumps Vorschläge zum Umgang mit illegalen Immigranten seien ‚wirtschaftlich und menschlich nicht tragbar‘ wurde sie konkret: ‚Donald, wie soll das aussehen, diese Leute zu deportieren. Du müsstest von Schule zu Schule, Haus zu Haus gehen und sie zusammentreiben – dann in Busse und Bahnen setzen und abtransportieren lassen.‘ Das sitzt. Allerdings ist sie noch weit entfernt vom Sprachniveau ihres Gegners. Sie spricht komplexer und damit naturgemäß umständlicher. Ihr zu folgen fällt schwerer – während die Sprache von Trump dem Gehirn wie Butter von den Synapsen geht.“

2. Trump wählen nicht nur die Dummen.

Da liegt der Schluss nahe: Jetzt geht er los, der Kampf um die Dummen – salopp gesagt. Trump benutzt einfache Worte, bietet einfache Lösungen für komplexe Probleme (Illegale Einwanderer raus!) — weil er sich an ein Publikum wendet, das kompliziertere Ansätze ohnehin nicht verstehen würde. Falsch, sagen die Forscher: Ob jemand einfache, direkt kausale Lösungen bevorzugt, liegt eben nicht an seiner Intelligenz.

Die Grafik zeigt: Je weniger man systemisch statt direkt kausal denkt, desto größer die Wahlunterstützung für Trump.

Die Grafik zeigt: Je weniger man systemisch statt direkt kausal denkt, desto größer die Wahlunterstützung für Trump.

Das sagt die Forscherin:
„Wir haben letzte Woche eine Umfrage gemacht. Resultat: Wer direkt kausal denkt, sieht in Trump den idealen Kandidaten. Wer systemisch denkt, will Clinton wählen. Übrigens geht es hier nicht um Intelligenz oder Bildungsgrad – sondern um generelle Annahmen über die Welt, sogenannte „worldviews“. Jemand kann hoch intelligent sein – und trotzdem direkt kausal denken. Trump macht einen guten Job, wenn es darum gut, direkt kausales Denken anzufeuern: Mauern bauen, Bomben werfen, alles immer „ganz einfach“, „ganz schnell“! Clinton bedient systemisch kausales Denken nicht ebenso effektiv. Dabei wissen wir: Wer systemisch argumentiert, kann damit insbesondere Wechselwähler erreichen – denn die sind ideologisch ambivalent und reagieren stark darauf, wenn man ihnen „worldviews“ anbietet, statt Fakten und Programme zu listen. Und: Einfache Worte und Bilder für die eigene politische Weltsicht zu finden ist kein Resultat mangelnder Intelligenz. Im Gegenteil.“

Die Methode der Forscher:
Die Forscher haben eine Skala entwickelt, die kausales Denken misst. (Systemic Causation Scale: Wehling & Feinberg, 2016) und u.a. mit dem Wahlverhalten und den Positionen von Menschen unterschiedlicher politischer Ansichten zu den Themen globale Erwärmung, Armut, Sexismus und Rassismus abgeglichen. Das Resultat: Je konservativer, desto direkter kausal denken die Teilnehmer.

3. Trump liebt Kriegsrhetorik

Donald Trump und Hillary Clinton im Rededuell

Spannend ist, wie Trump diese Weltsicht befeuert: Er nutzt mit Vorliebe Kriegsmetaphern. Die USA in einem wirtschaftlichen Krieg mit China, Krieg gegen einfallende Immigranten, Hillarys Krieg gegen das Recht der Amerikaner, Waffen zu tragen. Gut gegen Böse – und böse sind natürlich immer die anderen.

Das sagt die Forscherin:
„Die Gut-Böse Dichotomie, die der Kriegsidee innewohnt, zieht wahnsinnig gut bei Konservativen und auch bei Wechselwählern. Und wonach sehnen sich Menschen, wenn sie sich im Krieg befinden? Nach einer starken männlichen Autorität, die sie beschützt. Was meinen Sie wohl, wieso Trump derart viel Energie darauf verwendet hat, seine Gegner als körperlich schwach zu inszenieren – von Little Rubio über Low Energy Jeb bis hin zur stolpernden Hillary – von der sein Kampagnenteam nun ständig behauptet, sie sähe krank und zerbrechlich aus!“

Elisabeth Wehling

Elisabeth Wehling hat die Sprache von Trump erforscht.

Elisabeth Wehling forscht seit über zehn Jahren an der University of California, Berkeley, in den Bereichen Kognitionsforschung, Linguistik und Ideologieforschung. Ihr neuestes Buch „Politisches Framing – wie eine Nation sich ihr Denken einredet und daraus Politik macht“ ist im Halem Verlag erschienen.

Stand: 21.10.2016, 18:00