Was steckt hinter dem Nowitschok-Gift?

Ein Totenkopf warnt vor tödlichem Gift

Was steckt hinter dem Nowitschok-Gift?

Von Ilka aus der Mark

  • Nowitschok-Gifte gehören zu einer Serie hochtoxischer Nervengifte
  • Schon wenige Milligramm können tödlich sein
  • Sie werden eingeatmet oder über Körperöffnungen und die Haut aufgenommen

Nowitschok-Gifte wurden in den 1970er und 1980er Jahren in der ehemaligen Sowjetunion entwickelt. Die Nervengifte gehören zu den Organophosphaten. Natürlicherweise kommen sie nicht vor - es sind künstlich geschaffene Moleküle. Organophosphate werden unter anderem gewerblich als Insektenvernichtungsmittel genutzt, aber auch als chemische Kampfstoffe.

Wie wirkt das Nervengift Nowitschok?

WDR 5 Leonardo Top Themen | 13.03.2018 | 05:06 Min.

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Was macht das Nervengift mit unserem Körper?

Nowitschoks sind extrem toxisch und wirken schon in sehr geringen Dosen tödlich. Wenige Milligramm können tödlich sein.​ Das Nervengift verhindert lebenswichtige Abläufe im Körper so stark, dass dieser nicht mehr richtig funktionieren kann. Unser Herz-Kreislauf-System, unsere Muskeln, die Atmung, unser Gehirn – alles kommt aus dem Takt. Es kommt zu dramatischen Symptomen wie zum Beispiel starke Schmerzen, Zuckungen, Atemnot, extreme Schweißbildung, Schaumbildung vor dem Mund, unkontrollierter Stuhl- und Urinabgang, einem veränderten Herzschlag und Muskelkrämpfen.

Wie kommen diese Symptome zustande?

Das Gift hemmt ein Enzym, die so genannte Acetylcholinesterase. Diese hat eine lebenswichtige Aufgabe im Körper, nämlich den Botenstoff Acetylcholin zu spalten. Acetylcholin ist ein wichtiger Informations-Überträgerstoff im Körper. Es reguliert die Kommunikation zwischen bestimmten Nervenzellen und auch die Kommunikation zwischen Nervenzellen und Muskelzellen. Wenn das Enzym seine vorgesehene Funktion nicht mehr ausüben kann, kommt es zu den beschriebenen Symptomen.

Wie kann dieses Nervengift aufgenommen werden?

Nowitschok-Gifte sind in der Regel dickflüssig, man kann sie aber auch in ein Aerosol oder in ein Pulver umwandeln. Das heißt, sie werden entweder über Körperöffnungen oder die Haut aufgenommen oder eingeatmet. Dieses Nervengift ist so gefährlich, dass sich auch der Täter in Lebensgefahr begibt, falls er nicht entsprechend ausgebildet ist.

Stirbt man daran in jedem Fall?

Auch wer schnell mit einem Gegengift behandelt wird, kann schwere bleibende Schäden davontragen. 1987 kam bei einem Unfall im sowjetischen Nowitschok-Geheimlabor ein Forscher mit Resten des Giftes in Kontakt. Er erholte sich nie und starb fünf Jahre später an den Folgen. Bis dahin litt er unter anderem an Hepatitis, Leberzirrhose, Epilepsie und anhaltender Muskelschwäche.

Stand: 13.03.2018, 17:53