Zerstreuter Professor mit Leidenschaft für die Physik

Peter Grünberg

Zum Tod von Nobelpreisträger Grünberg

Zerstreuter Professor mit Leidenschaft für die Physik

Von Annika Franck

Seine Entdeckung verhalf Computer-Festplatten zu mehr Speicherkapazität und ihm zum Nobelpreis: Peter Grünberg ist jetzt im Alter von 78 Jahren gestorben. Er hatte jahrelang am Forschungszentrum Jülich gearbeitet. Ein Nachruf.

Für Schlagzeilen sorgte Peter Grünberg, als er 2007 als erster Forscher am Forschungszentrum Jülich den Nobelpreis für Physik erhält. Damit würdigte die Schwedische Akademie der Wissenschaften Grünbergs Entdeckung des sogenannten Riesenmagneto-Widerstandseffekts (GMR). Mit diesem Effekt wird die Speicherkapazität von Festplatten erheblich gesteigert.

Ergebnis: Bessere Festplatten

Prinzessin Madeleine von Schweden unterhält sich am Montag (10.12.2007) während des Banketts für die Nobelpreisträger im Rathaus von Stockholm mit dem deutschen Peter Grünberg.

Als er in den 1980er Jahren den Effekt entdeckt, weiß Grünberg sofort, dass ihm und seinem Team der große Wurf gelungen ist. "Wie kann man die Speicherkapazität erhöhen – das war damals ein ganz großes Thema auf allen Konferenzen zum Thema Magnetismus", erinnert sich Grünberg Jahre später. "Mir war klar, dass das eine große Sache war. Alle haben danach gesucht – und wir hatten’s plötzlich!"

Fast zeitgleich forscht ein französisches Team unter dem Physiker Albert Fert von der Université Paris Sud an dem gleichen quantenmechanischen Effekt. Als die beiden Forscher dies erkennen, tauschen sie ihre Ergebnisse fair aus. Der Nobelpreis 2007 für die Entdeckung des GMR-Effekts geht folgerichtig an Grünberg und Fert gemeinsam.

Grundlagenforschung im Alltag

Das Besondere an Grünbergs Entdeckung: Obwohl es sich um Grundlagenforschung handelt, stellt IBM schon 1997 die ersten Laufwerke her, die den GMR-Effekt nutzen. Und bereits 1998 erhält der Physiker dafür den Deutschen Zukunftspreis vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog.

Der eher schüchterne Grünberg ist mit viel Elan bei der Sache. Auch im offiziellen Ruhestand – seit 2004 – kommt er regelmäßig ins Forschungszentrum. Hin und wieder, erklärt er einmal im Gespräch mit dem WDR, "mache ich auch noch mal eine kleine Rechnung". Vor allem will er aber nach den jungen Mitarbeitern sehen. Der "Alte" hilft mit Erfahrungen und Sachverstand, die "Jungen" zeigen ihm, wie das Internet funktioniert: "Auf viele Dinge kommt man erst durch die jungen Leute."

Der Riesenmagneto-Widerstand (GMR, für engl. Giant Magneto Resistance) basiert auf Effekten, die in magnetischen Schichtstrukturen auftreten. In diesem Fall "kommunizieren" zwei magnetische Schichten, etwa aus Eisen, über eine Zwischenschicht miteinander. Diese Schichten-Konstruktion reagiert empfindlich auf äußere Magnetfelder und verändert dabei ihren elektrischen Widerstand. Der GMR hat es ermöglicht, auf kleinerem Raum mehr dieser Schichtstrukturen unterzubringen – dadurch hat sich die Speicherkapazität erheblich erhöht. Diese Fähigkeiten wurden schon kurz nach der Entdeckung des Effekts von IBM erkannt – 1997 stellte die Firma das erste Laufwerk her, das diesen Effekt nutzte.

Stand: 09.04.2018, 16:26