Wie wir uns aus dem Mittagstief herausschlafen können

Geschäftsfrau schläft am Laptop

Wie wir uns aus dem Mittagstief herausschlafen können

Von Elke Hofmann

Wenn mittags eine leichte Schläfrigkeit einsetzt, schwören manche auf ein Nickerchen, um wieder in die Gänge zu kommen. - Wem nützt der Mittagsschlaf, und wie lange sollte man schlafen?

Nicht nur abends werden wir müde: Auch tagsüber gibt es Phasen, in denen wir uns schläfrig fühlen – vor allem um die Mittagszeit, erklärt Lennart Knaack, Leiter eines Zentrums für Schlafmedizin in Köln: „Die chronobiologische Forschung konnte belegen, dass eine mittägliche Steigerung der Müdigkeit als normales Phänomen zu bewerten ist, das zudem unabhängig von der Nahrungsaufnahme in Erscheinung tritt.“ Wenn wir gegen Mittag etwa bei der Arbeit immer unkonzentrierter werden und uns Flüchtigkeitsfehler unterlaufen, zeigt uns der Körper, dass er eine Ruhephase braucht. Wann genau uns das Mittagstief einholt, hängt davon ab, wann wir morgens aufgestanden sind.

Zeit für ein Schläfchen

Dagegen hilft: Schlafen. Aber nicht irgendwie: Wer nach dem Nickerchen noch weiter arbeiten muss, dem raten Experten zu einem sogenannten Power-Nap. Hinter dem Modewort verbirgt sich ein besonders kurzer Schlaf, eine Art „Mittagsschlaf light“. „Ein Power-Nap dauert nicht länger als 30-40 Minuten“, sagt Ingo Fietze, Leiter der Schlafmedizinischen Zentrums der Berliner Charité. Täglich eine Arbeitspause für ein Power-Nap einzulegen, kann sinnvoll sein, so der Schlafmediziner: „Und zwar dann, wenn man müde wird, entweder zwischen 12 und 14 Uhr oder zwischen 16 und 18 Uhr, aber auch nur, wenn man nachts nicht zu seiner Wohlfühlschlafmenge findet. Personen mit Schlafstörungen sollten das Power-Nap meiden.“

So wird ein Power-Nap erholsam

Ein Bürodeckel schläft mit einer Schlafmaske an seinem Schreibtisch

Mal kurz abschalten ...

Nicht jeder kann es einrichten, sich am Arbeitsplatz ein Schläfchen zu gönnen: Ist es aber möglich, dann sollte man zunächst für eine ruhige Umgebung sorgen, im Büro etwa das Telefon leise stellen. Und es ist hilfreich, den Raum abzudunkeln oder eine Schlafbrille zu tragen. Bett und Decke sind nicht notwendig, es reicht, sich bequem im Bürostuhl zurückzulehnen. Vor allem aber gilt: Nicht zu lange schlafen und den Wecker stellen! Denn wer länger als eine Stunde schläft, wird eher die REM-Schlafphase, den sogenannten Traumschlaf, erreichen. Und das ist während des Tages ungünstig, besonders dann, wenn man noch arbeiten möchte. „Ein Erwachen aus oder unmittelbar nach einer REM-Episode ist oft durch ausgeprägte Schlaftrunkenheit sowie eine gedämpfte und gedrückte Stimmungslage charakterisiert“, so Schlafmediziner Lennart Knaack.

Mehr Konzentration, weniger Fehler

Schlafforschung

Schon sechs Minuten Schlaf können helfen

Ein Power-Nap führt dazu, dass wir wieder leistungsfähiger sind: Wir sind aufnahmefähiger als vorher und machen weniger Fehler. Ein Forscherteam der Universität Düsseldorf konnte nachweisen, dass bereits ein Power-Nap von sechs Minuten Länge das Erinnerungsvermögen der Testpersonen deutlich verbesserte. Zudem können regelmäßige Schläfchen am Mittag sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken – etwa das Risiko für Herzerkrankungen senken. Unbedingt notwendig ist ein Power-Nap allerdings nicht: Oft reicht es auch, ganz einfach für eine halbe Stunde zu entspannen, damit man sich wieder erfrischt fühlt.

Power-Nap oder Mittagsschlaf?

Zuweilen werden die beiden Begriffe „Power-Nap“ und Mittagsschlaf synonym verwendet. Viele Experten unterscheiden sie aber anhand der Schlaflänge. So auch Ingo Fietze: „Ein Mittagschlaf sollte mindestens 90 Minuten dauern. Mittagsschlaf macht Sinn, wenn man vor- oder nachschlafen will. Ansonsten ist er, ausgenommen Urlauber und Rentner, nicht nötig.“ Für Senioren kann ein längeres Schläfchen am Mittag durchaus sinnvoll sein, denn sie schlafen in der Nacht häufig kürzer als jüngere Menschen und können die so fehlende Erholung mittags ausgleichen.

Stand: 10.08.2016, 06:00