Service Bildung - MINT-Lehrernachwuchs

Lehrer und Teenager-(16-17) Student im Chemie-Laboratorium

Wenn der Schüler zum Lehrer wird

Service Bildung - MINT-Lehrernachwuchs

Von Sarah Ziegler

Die Zahl der MINT-Lehrer wird sich bis zum Jahr 2025 halbieren, sagt der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm. Wer soll dann Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik unterrichten? Der Verein "MINT-EC" will gegensteuern.

Die einen gehen in die verdiente Rente, die anderen brechen ihr Lehramtsstudium ab oder entscheiden sich lieber für Deutsch und Erdkunde. Das ist kurz gesagt das Dilemma, mit dem die MINT-Fächer an weiterführenden Schulen zu kämpfen haben. In einem besonderen Projekt führt das nationale Netzwerk "MINT-EC" schon Schüler an ein MINT-Lehramtsstudium heran.

Das Lehrersein proben

An neun Gymnasien in Nordrhein-Westfalen können Schüler sich zu Beginn der 10. Klasse entscheiden, "MILeNas" zu werden – kurz für MINT-Lehrernachwuchs. Zwei Jahre lang können sie dann das Lehrersein proben und so erfahren, ob dieser Job etwas für sie ist. So soll die Zahl der Studienabbrecher gesenkt werden.

Die MILeNas lernen in Uni-Workshops, wie Lehren funktioniert. Sie unterrichten dann Grundschüler in speziellen AGs und ältere Schüler am eigenen Gymnasium – immer mit der Unterstützung der eigenen MINT-Lehrer. Auch an Partnerschulen und außerschulischen Lernorten können sich die MILeNas ausprobieren. Nicht alle entscheiden sich am Ende, später ein Lehramtsstudium zu beginnen.

Ein Netzwerk für MINT-Schulen

Initiator des MILeNa-Programms ist "MINT-EC", das nationale Excellence-Schulnetzwerk mit Sitz in Berlin. In diesem Netzwerk versammeln sich Gymnasien und Schulen mit gymnasialer Oberstufe aus ganz Deutschland – 212 sind es derzeit. Sie alle haben ein ausgeprägtes wissenschaftliches Profil. Will eine Schule Teil des Netzwerks werden, muss sie eine Reihe von Anforderungen erfüllen und ein Auswahlverfahren durchlaufen.

Gefordert wird zum Beispiel, dass die Schule die MINT-Fächer immer auch im Leistungskurs anbietet, zusätzlich Arbeitsgemeinschaften einrichtet und wissenschaftliche Workshops und Forschungspraktika organisiert. Auch Kontakte zu Forschungseinrichtungen und Unternehmen in der Region sind nötig. Alle drei Jahre müssen MINT-EC-Schulen sich erneut beweisen und zertifizieren.

Austauschen und ausprobieren

Der Bewerbungsaufwand soll sich lohnen – für Lehrer und Schüler. Die Schulen sollen untereinander stark vernetzt werden, Erfahrungen austauschen und gegenseitig an Veranstaltungen teilnehmen. Auch spezielle Tagungen und  Seminare für Lehrer und Schulleiter werden angeboten. Schüler können bei Schülerforen, Camps und anderen Programmen zu ganz verschiedenen wissenschaftlichen Themen mitmachen – von der medizinischen Genetik bis zur Materialprüfung.

Gefördert wird "MINT-EC" dabei von verschiedenen großen Unternehmen, Verbänden, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Das Netzwerk steht unter der Schirmherrschaft des Präsidiums der Kultusministerkonferenz.

Redaktion:
Maike Westphal

Stand: 26.06.2015, 16:05