Darum schauen wir so gerne aufs Meer

Darum schauen wir so gerne aufs Meer

Von Benjamin Esche

  • Das Meer hat in der Psychologie eine große Bedeutung
  • Es wird als Ort der Ruhe und Entspannung wahrgenommen
  • Die Weite und die blaue Farbe spielen eine große Rolle

Die Wellen rauschen, die Sonne spiegelt sich auf dem Wasser, der Blick geht bis zum fernen Horizont - wer aufs Meer schaut, erhält viele Sinneseindrücke. Am Strand fühlen wir uns einfach wohl. Wir spüren die enorme Kraft des Meeres und der Natur. Das Meer zieht uns fast schon magisch an. Warum eigentlich?

Das Meer hat große psychologische Bedeutung

Florian Schmid-Höhne ist Psychologe und Stressverhaltenstrainer in München. Er bietet Coachings am Meer an und hat auch ein Buch über die psychologische Bedeutung des Meeres geschrieben. "Das Meer ist ein Ort der Selbstwahrnehmung und Reflexion", hat Schmid-Höhne festgestellt. Im Rahmen einer qualitativen Studie hat sich der Psychologe mit der Meereswahrnehmung und -wirkung beschäftigt.

Daraus hat Schmid-Höhne verschiedene Bedeutungskategorien entwickelt, die er auch für sein Coaching nutzt. "Das Meer wird als Ort der Ruhe und Entspannung wahrgenommen", erklärt der Psychologe. "Außerdem wird es auch als Heil- und Energiequelle angesehen." Es ist also der Gegenentwurf zum oft stressigen Alltag, dem viele Menschen ausgesetzt sind.

Weite und Farbe des Meeres haben Einfluss

Die Weite und Größe des Meeres spielt dabei eine große Rolle. "Das Meer kommt uns riesig vor", erklärt der Psychologe Alfred Gebert aus Münster. "Wir bewundern die Natur und haben das Gefühl der Freiheit, weil wir so weit auf den Horizont schauen können." Gerade Menschen aus Großstädten kennen so etwas nicht. "Unsere Gedanken können dann frei fließen und es entwickeln sich neue Ideen", sagt Gebert. In unserem Kopf entstehe dann ein positives Gefühl.

Hinzu kommt die Farbe des Meeres: "Blau ist eine Farbe, die beruhigt", erklärt Gebert. Auch Stresscoach Schmid-Höhne hat in seiner Studie festgestellt, dass die blaue Färbung des Meeres Einfluss hat. Und die gleichmäßige Brandung und das Meeresrauschen haben auf Menschen einen beruhigenden Effekt. "Es hat einen gleichförmigen Rhythmus und das genießen wir sehr", ergänzt Psychologe Gebert.

Eindrücke vom Meer festhalten

Die Natur und speziell das Meer bieten den Menschen eine besondere Projektionsfläche für ihre Gefühle und Wünsche. Psychologen sprechen dabei von der Geopsyche. So hat der Schweizer Psychologe Carl Gustav Jung bereits festgestellt, dass das Meer in den Träumen und Fantasien für das Unbewusste steht. Affekte und Impulse werden dann ins Meer hineinprojiziert.

Damit wir auch Zuhause etwas vom Meer haben, empfiehlt Pychologe Gebert, mit dem Smartphone die Eindrücke des Meeres festzuhalten. "Damit können wir uns später im Alltag die Gefühle vom Meer ein wenig zurückholen", sagt der Psychologe. Natürlich ersetzen Fotos und Videos nicht die Eindrücke vor Ort. "Aber wir kommen dann wieder etwas in das Gefühl des Abschaltens hinein", so Gebert.

Stand: 17.08.2017, 08:55