Prognose: Tödliche Hitzewellen werden zunehmen

Ein Mann wischt sich bei Hitze mit einem Stofftuch über den Kopf

Prognose: Tödliche Hitzewellen werden zunehmen

Von Susanne Schnabel

  • Forscher prognostizieren mehr tödliche Hitzewellen
  • Umweltbundesamt entwickelt Masterplan für Hitzeperioden
  • Langfristig sollen Städte architektonisch angepasst werden

Mehr als 30 Prozent der Weltbevölkerung lebt zurzeit an Orten, in denen Temperatur und Luftfeuchtigkeit an mindestens 20 Tagen im Jahr die Wärmeregulation des menschlichen Körpers lebensgefährlich überfordern. Der Anteil wird nach aktuellen Schätzungen von US-Forschern bis 2100 auf 48 bis 74 Prozent ansteigen. Das könnte mehr Todesfälle zur Folge haben - auch bei uns.

Hitzewellen beeinträchtigen laut Bundesumweltministerium (BMUB) auch zunehmend die Gesundheit der Bürger in Deutschland. Das Umweltbundesamt (UBA) veröffentlichte jetzt sogenannte "Hitzeaktionspläne". Damit können sich die Verantwortlichen von Ländern und Kommunen für länger dauernde Hitzeperioden vorbereiten, um die Gesundheit der Bürger zu schützen.

Drei große Hitzewellen mit tausenden Todesfällen

Der Schatten einer Mutter mit Kinderwagen und eines Kindes, das ihr hinterherläuft, zeichnet sich auf dem schwarzen Asphalt in der Innenstadt ab.

Lieber Wiese als Asphalt

Besonders ausgeprägte und andauernde Hitzeperioden gab es in Deutschland laut BMUB in den Jahren 2003, 2010 und 2015. Allein in Deutschland starben bei der Hitzewelle 2003 etwa 7.000 Menschen und es kam zu zahlreichen hitzebedingten Krankheitsfällen aufgrund von Dehydrierung, Hitzschlag, Herz- und Kreislauferkrankungen.

Von Nachbarschaftshilfe bis zu neuer Architektur

Dr. Otto Klemm ist Professor für Klimatologie am Institut für Landschaftsökologie der WWU und Vorsitzender des Klimabeirats der Stadt Münster

Dr. Otto Klemm

Gemeinsam mit zahlreichen Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen hat das Umweltbundesamt umfangreiche Handlungsempfehlungen erstellt. Dieser Masterplan umfasst kurzfristig sowie langfristig umsetzbare Aktivitäten. Beispiele: Einrichtung einer Nachbarschaftshilfe, Infomaterial für soziale Einrichtungen verteilen oder die Installation von Rollläden an Gebäuden.

Langfristig sollen Architektur, Stadt- und Bauplanung an extremer Hitze ausgerichtet werden. Das sei ein großes Thema in der Forschung, sagt Dr. Otto Klemm ist Professor für Klimatologie am Institut für Landschaftsökologie der Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU).

Frische Luft, Pflanzen, Wasser und Schatten

Kind spielt an einem Brunnen in der Innenstadt von Duisburg

Abkühlung tut gut - am liebsten mit Wasser

"Bei der Planung ist es wichtig, dass Frischluftschneisen der Innenstädte nicht zugebaut werden", so Dr. Klemm. Mehr offene Wasserflächen in der Stadt sorgen für mehr Verdunstung. Diese entzieht der Luft Wärme, die Temperaturen sinken. Aber auch Pflanzen können laut Dr. Klemm dafür sorgen, die Städte abzukühlen: "Vegetation ist extrem hilfreich für ein gutes Stadtklima. Wobei Bäume noch effektiver sind als Rasenflächen, weil sie noch mehr Wasser verdunsten."

Ebenfalls ein wichtiger Faktor bei der Städteplanung sei es, für ausreichend Schatten zu sorgen. Dr. Klemm: "Am besten mit Bäumen."

Stand: 20.06.2017, 16:00