Männer-Model nach Geschlechtsumwandlung

Vom Mädchen zum Traummann

Männer-Model nach Geschlechtsumwandlung

Von Christian Beisenherz und Martin Wilger

  • Benjamin Melzer war als Kind unglücklich, fühlte sich nie als Mädchen.
  • Mit 23 Jahren entschied er sich zur Geschlechtsanpassung. Er ist nun ein Mann.
  • Mit seiner Geschichte geht er offen um und erntet viele positive Reaktionen.

Was für ein Körper: durchtrainiert, definiert, kein Gramm Fett. Viele Männer würden gerne genau so aussehen. Dass Benjamin mal eine Frau war - kaum vorstellbar. Er selbst sieht sich als ganz normaler Mann: "Das ist das, was ich bin." Letztendlich habe er eine Geschichte, "das nennt man transsexuell, transgender. Aber so würde ich mich selbst nie betiteln, weil ich mich ganz normal fühle. Das so auszusprechen, fällt mir nach wie vor schwer."

Immer offen damit umgegangen

So persönlich und intim seine Geschichte auch ist: Der 29-Jährige hält damit nicht hinterm Berg. Auch seinen Trainer hat er sofort eingeweiht. Diese offene Art kommt an: "Ich bin halt so. Ich bin total ich und ich bin total glücklich mit der Person, die ich heute bin. Von daher sind die Reaktionen durchweg positiv." Für ihn ist es wichtig, dass er offen und ehrlich mit seiner Geschichte umgeht. Er wolle "nicht rumdrucksen und den Traurigen machen". Nein, Benjamin Melzer sagt von sich selbst: "Ich bin ein glücklicher Mensch."

Das war nicht immer so. Benjamin Melzers Weg war kein leichter. Das haben auch seine Eltern zu spüren bekommen. Bei der Geburt gaben sie ihrer Tochter den Namen Yvonne. Doch schon als Kind fühlte sie sich nicht als Mädchen. Heute erzählt Benjamin Melzers Mutter Margret: "Als der kleine Kopf denken konnte, bewusst denken konnte, was alles was mädchentypisch ist - rosa, pink, Kleidchen, Blüschen, Röckchen: tabu! Da gab es wirklich nur Geschrei. Nicht für Geld und gute Worte konntest du sie überreden, irgend so etwas anzuziehen. Das ging nicht."

Mutter erinnert sich an ein aufmüpfiges, unglückliches Kind

Anfangs haben sich die Eltern nicht viel dabei gedacht. Doch mit den Jahren rebelliert Benjamin immer mehr: "Er war schon ein sehr unzufriedenes, unglückliches, ja auch aufsässiges Kind. Da war mein großer Sohn ganz anders. Der ging durch das ganze Leben so durch, und er war schon sehr aufmüpfig, aufsässig. Heute weiß ich, warum. Damals habe ich es nicht verstanden."

Mit 23 Jahren entschied Benjamin: Er will keine Frau mehr sein. Will die Umwandlung von der Frau zum Mann konsequent durchzuziehen. Weil nicht alles glatt verläuft, muss er sich elf Operationen unterziehen. Dazu kommt eine intensive Hormonbehandlung: "Ich durfte noch mal komplett eine zweite Pubertät durchlaufen. Ich habe das All-Inclusive-Paket gebucht, eine Pubertät als Mädchen, dann noch eine Pubertät als Junge. Du merkst das ruckzuck, innerhalb von kürzester Zeit verändert sich deine Stimme, fängt an zu kratzen, wie Halsschmerzen, die wird dunkler. Du siehst Haare an Stellen, an denen du nie Haare hattest, am Bauchnabel. Und Pickel, ich hatte richtig Akne und Stimmbruch, alles was dazu gehört", erzählt er heute.

Der Traum vom Model-Job

Der 29-Jährige lebt seit zwei Jahren mit seiner Freudin zusammen, arbeitet noch im elterlichen Handwerksbetrieb. Doch sein Traum ist es, eines Tages als Model oder beim Fernsehen sein Geld zu verdienen. Einen kleinen Schritt in diese Richtung hat er auch schon gemacht: Im April ist er auf dem Cover eines Männer- und Lifestyle-Magazins.

Stand: 01.02.2016, 15:14