Harter Schulstoff: Geschichte der NS-Euthanasie

Beschriftete Steine erinnern auf dem Friedhof der Gedenkstätte Hadamar (Hessen) an die hier bestatteten Opfer der NS-Euthanasie-Morde

Harter Schulstoff: Geschichte der NS-Euthanasie

  • LVR bietet neues Schulmaterial zum Thema NS-Euthanasie an
  • Es gab 10.000 Opfer aus dem Rheinland
  • Historiker und Pädagogen begleiten das Projekt

Etwa 200.000 psychisch wie körperlich kranke und behinderte Menschen fielen den nationalsozialistischen "Euthanasie"-Maßnahmen zum Opfer, darunter etwa 10.000 Betroffene aus dem Rheinland.

In Schulen ist dieses Kapitel der Geschichte oft kein Thema. Deshalb hat der Landschaftsverband Rheinland (LVR) ein umfangreiches pädagogisches Medienprojekt ins Leben gerufen. Daran mitgearbeitet haben Historiker und Pädagogen. Jetzt ist ein neues Medien-Paket erschienen.

"Wir haben ein sehr motiviertes Team, das mit viel Engagement an diesem Projekt arbeitet", sagt Dr. Wolfgang Schaffer, Historiker und Archivar beim LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum.

Jugendliche werden miteinbezogen

In Zusammenarbeit mit dem LVR-Zentrum für Medien und Bildung in Düsseldorf beschäftigt sich das Archiv des Landschaftsverbandes Rheinland bereits seit 2012 mit dem Thema, um Schüler zielgruppengerecht mit Hintergrundwissen zu versorgen.

"Wir beziehen die Jugendlichen bei der Produktion des Medienpaketes mit ein. So haben Kinder zum Beispiel an einem Kurzfilm mitgewirkt", so Schaffer.

Neuer Schwerpunkt: jüdische Psychiatriepatienten

Im Mittelpunkt der neuen Publikation, die ab sofort beim LVR erhältlich ist, stehen jüdische Psychiatriepatienten. Über ihr Schicksal in den rheinischen Heil- und Pflegeanstalten ist bislang nur wenig bekannt.

Geistigbehinderte Kinder des Gottlob-Weiߟer-Hauses in Schwäbisch Hall spielen Rigelreihen mit zwei Diakonieschwestern (Archivfoto von ca. 1930)

Kinder mit Behinderung wurden umgebracht

In fünf Kapiteln wird ihr Schicksal dargestellt. In doppelter Hinsicht waren sie der staatlich betriebenen Verfolgung ausgesetzt: Als Angehörige der von den Nationalsozialisten verfolgten jüdischen Minderheit und als Psychiatriepatienten, die als "Ballast" für die "Volksgemeinschaft" und als "nicht-lebenswerte" Existenzen galten.

Film, Arbeitsheft und Hintergrundinfos

Patienten der Diakonissenanstalt Bruckberg (Landkreis Ansbach) wurden während der NS-Zeit in staatliche Heilanstalten und von dort aus in Tötungsanstalten transportiert

Von der Heilanstalt in den Tod

Wie schon bei den beiden vorangegangenen Publikationen besteht das vorliegende Medienpaket aus einer DVD mit einem Einführungsfilm, einem Arbeitsheft und einer CD mit Dokumenten, Textauszügen, Fotos und Karten als zusätzliches Arbeitsmaterial für den Einsatz im Unterricht und in Schulprojekten.

Schaffer: "Die Materialsammlung eignet sich zur Einbindung in den Geschichtsunterricht ebenso wie für andere Fachgebiete, zum Beispiel Gesellschaftskunde, Pädagogik, Ethik, Philosophie, Kunst und Literatur."

Kostenlose Exemplare des Medienpaketes stehen interessierten Schulen und Fachlehren zur Verfügung. Zur privaten Nutzung angeforderte Exemplare kosten zehn Euro Schutzgebühr pro Medienpaket.

Stand: 27.12.2017, 06:00