Die Sprinterin Caster Semenya im Lauf.

Natürliches Testosteron: Ein Wettbewerbsvorteil im Frauensport?

Stand: 06.04.2018, 15:45 Uhr

  • Beide Geschlechter produzieren Testosteron
  • Testosteron kann Leistung steigern
  • Fraglich ist, ob auch körpereigenes Testosteron leistungssteigernd ist

Von Lara Schwenner

Eine Frau mit Testosteron im Blut: Das ist zunächst nicht unnatürlich, denn Männer und Frauen produzieren beide Sexualhormone: das weibliche Östrogen und das männliche Testosteron.

Beide Geschlechter haben also einen Östrogen- und Testosteronspiegel, der je nach Geschlecht unterschiedlich stark ausgeprägt ist. In Bezug auf das weibliche Sexualhormon gleichen sich Männer und Frauen im Laufe ihres Lebens sogar an, da mit der Menopause der Östrogenspiegel bei Frauen deutlich sinkt (Frauen: 5-50 pg/ml, Männer: 27-52 pg/ml).

Beim männlichen Sexualhormon sieht es anders aus: Männer produzieren üblicherweise deutlich mehr Testosteron. Es gibt jedoch Frauen, bei denen der natürliche Testosteronspiegel überdurchschnittlich hoch ist. In der Fachsprache heißt das Hyperandrogenämie. Diese hormonelle Störung liegt auch bei der südafrikanischen Leichtathletin Caster Semenya vor.

Testosteron unter dem Mikroskop

Das Hormon Testosteron unter dem Mikroskop.

Das Problem: Um Wettbewerbsvorteile zu vermeiden, gibt der Internationale Leichtathletik-Verband IAAF vor, wie viel Testosteron weibliche Athleten im Blut haben dürfen: Zehn Nanonmol Testosteron pro Liter Blut – ein Wert, den Frauen im Normalfall nicht erreichen. Um weiterhin an Wettkämpfen teilnehmen zu dürfen, musste Caster Semenya daher zeitweise ihre körpereigene Hormonproduktion mit Medikamenten regulieren. 

Wirkt Testosteron leistungssteigernd?

Wenn Testosteron von außen zugeführt wird, beispielsweise gespritzt, dann könne man dem Hormon einen leistungssteigernden Effekt zusprechen, sagt der Hormon-Spezialist Günter Stalla im Interview mit der taz. Denn Testosteron kann das Muskelwachstum ankurbeln und die Regeneration der Muskulatur nach Belastung beschleunigen. Deshalb wird es auch immer wieder als Anabolikum eingesetzt. Allerdings ist die chemische Struktur dann so verändert, dass die Wirkung um ein Vielfaches stärker ausfällt als bei natürlichem Testosteron.

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