Service Psychologie - Lampenfieber

Frau im Rampenlicht mit Panik

Die Angst vor dem großen Auftritt

Service Psychologie - Lampenfieber

Von Eva Wolk

Lampenfieber kennen nicht nur Theaterleute. Eine bevorstehende Prüfung oder ein Vortrag vor einem größeren Publikum oder gar Kollegen können ganz ähnliche Gefühle auslösen. Wo ist die Grenze zwischen einer gewissen Nervosität und krankhafter Angst? Und was kann man dagegen tun?

Lampenfieber

...ist die moderne Variante eines uralten Selbstschutz-Reflexes aus Zeiten, als wir noch in Höhlen lebten: In schwierigen Situationen – damals etwa eine Begegnung mit Bären oder Säbelzahntigern - schütten die Nebennieren Botenstoffe aus, die schnell alle Energien mobilisieren. Das ist heute noch genauso. Dabei entstehen Nervosität und manchmal Angst. Es scheint ums "Ganze" zu gehen, obwohl es nur ein Vortrag ist, eine Prüfung oder ein Auftritt.

Gesund oder ungesund?

Menschen, die unter Lampenfieber leiden, erleben ihre Anspannung unterschiedlich stark. Manchen hilft Lampenfieber sogar dabei, die Herausforderung zu meistern. Wenn alle Energien mobilisiert sind, ist man leistungsfähig, präsent und motiviert.

Krankhaft wird es, wenn man die Situation als sehr bedrohlich erlebt und mit Panik reagiert: Das Publikum im Saal, die Prüfungskommission werden für den Betroffenen quasi zu den Säbelzahntigern von früher. Dann handelt es sich um eine Angststörung, eine soziale Phobie, die sich im Berufsalltag verheerend auswirken kann.

Die Therapie der Wahl

...ist bei krankhaftem Lampenfieber die kognitive Verhaltenstherapie. Glücksbringer oder Vermeidungsstrategien sind keine echte Hilfe: Sie lösen nicht das Grundproblem und stehen nur für geringes Selbstvertrauen. Diesen Teufelskreis kann die kognitive Verhaltenstherapie durchbrechen.

Therapeut und Patient hinterfragen die Ursachen: Welche tiefliegende Angst steckt hinter der Panik? Welche Emotionen kommen in der aktuellen Situation hinzu? Vielleicht Scham oder Wut? Wie sehen die persönlichen Gegenmaßnahmen aus? Ziel ist eine veränderte Einstellung, mit der man die Situation anders bewertet. Dann sind Sicherheitsrituale und Vermeidungsstrategien nicht mehr nötig. 

Selbsthilfe

Auch "normales" Lampenfieber ist oft unangenehm. Dagegen lässt sich was tun. Gute Vorbereitung kann Sicherheit geben. Auch Übung kann helfen: Einen Vortrag ein paar Mal vor dem Spiegel oder vor Freunden halten, sich von anderen über den Prüfungsstoff ausfragen lassen. Dann macht man Erfahrungen, die im Gehirn gespeichert werden können: Ich kann das, keine Sorge! Oft hat man die Wahl sich nicht so sehr auf die Angstsymptome zu konzentrieren, sondern die Aufgabe einfach durchzuziehen.

Redaktion:
Ruth Schulz

Stand: 18.02.2016, 12:45