Drei Erwachsene und ein Kind

Mikroskopische Aufnahme einer menschlichen Eizelle, die von Spermien umgeben ist

Drei Erwachsene und ein Kind

Von Sarah Ziegler

In britischen Laboren dürfen künftig Embryos mit dem Erbgut dreier Menschen erzeugt werden. Großbritannien ist damit das erste Land weltweit, das solche Behandlungsmethoden ausdrücklich erlaubt. Die wichtigsten Infos.

Was bedeutet die Entscheidung der britischen Ethikkommission?

In britischen Laboren dürfen künftig Embryos mit dem Erbgut dreier Menschen erzeugt werden. Das teilte die Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA), die britische Ethikkommission, am Donnerstag (15.12.2016) mit. Die Methode soll Frauen eine Schwangerschaft ermöglichen, ohne dass sie bestimmte Erbkrankheiten an ihre Kinder weitergeben. Dabei geht es um Erkrankungen, die mit den Mitochondrien vererbt werden. Das sind die sogenannten Kraftwerke der Zelle, sie haben eine eigene DNA. Das Parlament hatte bereits im vergangenen Jahr den Weg dafür frei gemacht. Die Experten der HFEA hatten aber das letzte Wort in der Sache.

Für welche Frauen ist die Entscheidung gedacht?

Diese Formen der künstlichen Befruchtung sollen Frauen helfen, die ihren Kindern über ihre eigenen schwere Gendefekte vererben könnten. Diese Defekte lauern in den Mitochondrien der Eizelle.

Was sind Mitochondrien?

Mitochondrien sind Bestandteil jeder Körperzelle. Sie schwimmen im Zellplasma umher und verwandeln Nährstoffe aus der Nahrung in Energie für die Zelle. Funktionieren die Mitochondrien nicht, wird die Zelle unterversorgt. Mitochondrien enthalten einen winzigen Bruchteil unserer Erbsubstanz DNA – etwa 0,02 Prozent. Darin enthalten sind aber keine genetischen Informationen über Haar- und Augenfarbe oder sonstige Eigenschaften des Menschen. Der Hauptteil der DNA liegt im Kern der Zelle, abgeschottet vom Plasma.

Warum wird mitochondriale DNA nur von der Mutter vererbt?

Bevor Eizelle und Spermium bei der Befruchtung verschmelzen, haben sie beide ihre eigenen Mitochondrien. Doch danach sorgt die Eizelle dafür, dass sich die Mitochondrien des Spermiums auflösen. Nur der mütterliche Teil bleibt übrig und wird vererbt.

Was passiert bei einem Gendefekt in der mitochondrialen DNA?

Eine Eizelle wird künstlich befruchtet.

Für die neuen Methoden braucht man mindestens zwei Eizellen

Es gibt dutzende Erkrankungen, die durch defekte DNA in den Mitochondrien verursacht werden können. Manche verlaufen mit eher milden Symptomen oder werden erst im Erwachsenenalter zum Problem. Andere führen schon vom Beginn des Lebens an zu schweren Beeinträchtigungen wie Schlaganfällen, Krämpfen oder schwerem Erbrechen. Manche Betroffenen sterben schon kurz nach der Geburt.

Mitochondriale Krankheiten sind unheilbar und nicht in allen Fällen bei Untersuchungen im Mutterleib erkennbar. Frauen, bei denen schwere Gendefekte diagnostiziert wurden, haben so im Grunde eine Möglichkeit, gesunde Kinder zu bekommen.

Welche neuen Methoden sollen helfen?

Zwei neue Wege könnten in Zukunft Anwendung finden. Methode 1: Eine Frau mit gesunden Mitochondrien spendet eine Eizelle. Aus dieser wird der Zellkern entfernt und mit dem Eizellkern der Frau ersetzt, die sich ein Kind wünscht. Dann wird diese Zelle künstlich befruchtet. Die zweite Methode ist wesentlich umstrittener: Hierfür werden sowohl eine normale Eizelle der Spenderin als auch eine Eizelle der späteren Mutter zunächst befruchtet. Erst danach wird der bereits mit dem Spermium verschmolzene Zellkern aus der Spenderzelle entfernt und durch den befruchteten Kern der anderen ersetzt. Das bedeutet, dass ein bereits befruchteter Zellkern, der der Spenderin, entsorgt werden muss. Das kritisieren viele, nach deren Auffassung das Leben im Moment der Befruchtung beginnt.

Hat das Baby dann drei Elternteile?

Genetisch gesehen ja. Dennoch ist die Formulierung nicht passend. Der Anteil der Eizellspenderin ist mit 0’02 Prozent des Genoms zu gering. Die 23 Chromosomenpaare, die unter anderem über das Aussehen mit entscheiden, liegen allein im Zellkern und bleiben von der Spende unberührt. Außerdem ist in Großbritannien festgelegt, dass die Spenderin anonym bleibt und keine Ansprüche auf das Kind stellen kann. 

Wie sieht es in Deutschland aus?

In Deutschland sind Eizellspenden verboten. Deshalb sind die Formen von künstlicher Befruchtung, die in Großbritannien voraussichtlich bald erstmals angewendet werden dürfen, in Deutschland derzeit kein Thema.

Stand: 15.12.2016, 13:08