Wirbel um Unsinns-Studie zum Klimawandel

Wirbel um Unsinns-Studie zum Klimawandel

Von Andreas Sträter

  • Forscher jubeln Fachjournal eine Fake-Studie unter
  • Thema: Penis als Hauptursache für Klimawandel
  • Ursache: Veröffentlichungsdruck in der Wissenschaft
  • Seriösität eines Magazins sollte intensiv geprüft werden

Fake-News sind zur Zeit in aller Munde. Ein aktuelles Beispiel zeigt, dass wissentlich gefälschte oder erfundene Fakten nicht nur im Journalismus, sondern auch im Wissenschaftsbetrieb ein Problem darstellen.

Penis als Einfluss für den Klimawande

Das britische Fachjournal "Cogent Social Sciences" ist auf eine unsinnige Studie des Philosophen Peter Boghossian und des Mathematikers James Lindsay hereingefallen. Unter Pseudonymen machten die Autoren in einem Aufsatz Penisse als Hauptursache des "anthropogenen Klimawandels" aus.

Mit der Veröffentlichung ("Der konzeptuelle Penis als soziales Konstrukt") wollten die beiden eigenen Angaben zufolge kritisieren, dass sich wissenschaftlicher Unfug publizieren lässt, sofern er zur gängigen Meinung des Fachs passt. Die Autoren hofften damit punkten zu können, Männlichkeit als schlecht darzustellen.

Auszug aus dem Aufsatz

"The androcentric scientific and meta-scientific evidence that the penis is the male reproductive organ is considered overwhelming and largely uncontroversial."

(auf Deutsch: Der androzentrische wissenschaftliche und metawissenschaftliche Beweis dafür, dass der Penis das männliche Fortpflanzungsorgan ist, gilt als überwältigend und weitgehend unumstritten.)

Wissenschaftlicher Klang, absurder Inhalt

Im Nachklang berichten die beiden, dass sie "3.000 Wörter vollkommenen Unsinns" geschrieben hätten und dass ihr Aufsatz nie hätte publiziert werden dürfen. Das Nonsens-Paper ist in einer Sprache verfasst, die sehr wissenschaftlich klingt, aber völlig sinnfrei ist. Dass es sich um einen absurden Beitrag ohne fundierte Quellen handelt, haben die Gutachter nicht bemerkt.

Fragwürdige Fachzeitschriften

Bei dem wissenschaftlichen Journal handele es sich um ein so genanntes "Predatory Journal", erläutert Isabella Peters, Professorin für Web Sciences am ZBW Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft in Kiel. Predatory Journals sind fragwürdige Fachzeitschriften, die es mit der Qualitätskontrolle nicht genau nehmen: meistens sind die Namen der Herausgeber und Gutachter auf der Journal-Webseite gefälscht oder wurden ohne deren Kenntnis dort publiziert.

Wer als Autor einen Beitrag zur Veröffentlichung einreicht, dem wird aber zumindest ein so genanntes Peer-Review-Verfahren versprochen. Ob diese jedoch stattfindet, ist fraglich. Eigentlich ist das ein Verfahren zur Qualitätssicherung einer Arbeit durch unabhängige Gutachter aus dem gleichen Forschungsgebiet. Ist dieses Verfahren erfolgreich, erscheint der Aufsatz. Bei Predatory Journals kostet den Autor die Veröffentlichung dann zwischen 300 und 1.000 Euro.

Spiel mit der Unwissenheit

Diese Journals seien in der Wissenschaft allerdings oft unbekannt und wertlos, sagt die Informationswissenschaftlerin Peters. "Diese Journals spielen auch mit der Unwissenheit von jungen Wissenschaftlern." Denn in vielen Wissenschaften existiere ein Druck, zu publizieren. "Mehr Artikel bedeutet mehr Sichtbarkeit."  

Rein optisch sei es oft schwierig, Predatory Journals von tatsächlich relevanten Fachzeitschriften zu unterscheiden. Gerade junge Wissenschaftler sollten sich deshalb bei erfahrenen Kollegen erkunden oder sich mit den Herausgebern beschäftigen. "Es ist oft schwierig, Qualität von Unsinn zu unterscheiden."

Die Top 5 der Wissenschaftsbetrüger Quarks & Co 01.09.2015 05:06 Min. Verfügbar bis 01.09.2020 WDR

Stand: 24.05.2017, 15:30