Essen neuer wichtiger Standort in der HIV-Forschung

Jedes Jahr stecken sich etwa 3.000 Menschen mit dem HI-Virus an

Essen neuer wichtiger Standort in der HIV-Forschung

Von Daniel Chur

Am Uniklinikum Essen wurde am Freitag (11.11.2016) das neue Institut für HIV-Forschung eröffnet. Ein zunächst zwölfköpfiges Wissenschaftler-Team soll nach Möglichkeiten forschen, wie man HIV-Infektionen heilt oder sie vorab vermeidet. Deutschlandweit ist das Institut einmalig.

Mehrere Jahre war Professor Hendrik Streeck da, wo die HIV-Forschung allen anderen voraus ist. In den USA, unter anderem an der Harvard Medical School. Im vergangenen Jahr wurde er ans Universitätsklinikum Essen geholt. Da soll der mit 38 Jahren noch sehr junge, aber durchaus schon rennomierte Mediziner die HIV-Forschung in Deutschland voran bringen.

Genau die sei nämlich in den vergangenen Jahren hier arg vernachlässigt worden, meint die Deutsche AIDS-Hilfe. Deren Gesundheitsexperte Armin Schafberger sagt: "Die Forschung wurde hier stiefmütterlich behandelt, auch weil Krankheiten wie AIDS nicht mehr als so eine Bedrohung wahrgenommen werden, wie noch vor eingen Jahren."

HIV ist weiterhin nicht heilbar

Tatsächlich aber sind die HIV-Infektionen, die beim Menschen die Krankheit AIDS auslösen können, aber nicht müssen, weltweit immer noch auf hohem Niveau: Mehr als 30 Millionen Menschen weltweit sind HIV positiv – etwa eine Million stirbt jedes Jahr. In Deutschland sind es immerhin noch 84.000 Infizierte, jedes Jahr stecken sich rund 3.000 Menschen hier neu an.

Auch wenn Therapien für HIV-Infizierte inzwischen heute schon eine sehr hohe Lebenserwartung möglich machen, stehe eins fest, so Institutsleiter Hendrik Streeck: "HIV ist nicht heilbar." Noch nicht. Eines der Ziele des neuen Essener Instituts für HIV-Forschung ist, ein entsprechendes Medikament zu entwickeln, dass HIV-Kranke tatsächlich wieder gesund machen kann.

Institut weltweit vernetzt

Das zweite große Ziel ist die Prävention. Das US-Militär habe schon vor Jahren einen Impfstoff entwickelt, durch den einer von drei Menschen tatsächlich geschützt werden könne, meint Streeck: "Der ist zu 30 Prozent effektiv. Wenn man das jetzt auf 60 Prozent hochbringen kann oder noch höher, dann hätten wir wirklich einen Imfstoff der etwas gegen Epidemien tun kann – und daran arbeiten wir." Dazu wird das Essener Institut vernetzt sein mit anderen Forschungseinrichtungen unter anderem in den USA und Ländern in Afrika.

Außerdem werden die Wissenschaftler eng mit der HIV-Ambulanz am Essener Uniklinikum zusammenarbeiten. Hier werden schon seit vielen Jahren HIV-Infizierte behandelt. So kommen am neuen Standort in Essen klinische Forschungen mit Grundlagenforschungen zusammen – alles mit dem Ziel, einen Durchbruch in der HIV-Forschung endlich zu erreichen.

Stand: 11.11.2016, 17:00