Hormonspirale - Gefährliche Verhütung

Zwei Hormonspiralen, rechts davon das Produkt Mirena von Bayer

Hormonspirale - Gefährliche Verhütung

  • Die Hormonspirale soll eine besonders schonende Verhütungsmethode sein
  • Es gibt jedoch Berichte über schwere Nebenwirkungen
  • Über das Risiko werden Patientinnen aber offenbar kaum aufgeklärt

"Ich habe eigentlich nur mit Kondom verhütet und daraufhin war ich hellauf begeistert, als meine Frauenärztin mir damals mitgeteilt hat, dass dieses Jaydess was für mich wäre", sagt die 26-jährige Damaris (Nachname der Redaktion bekannt). Die Hormonspirale sei unkompliziert, sicher und gut verträglich. Von möglichen Nebenwirkungen habe die Ärztin nicht gesprochen. Und Damaris fragte auch nicht nach.

Erhebliche Nebenwirkungen

Bayer AG Logo auf einem Firmengebäude

Hormonspirale - ein Milliardengeschäft

Einige Wochen nach dem die Frauenärztin die Hormonspirale eingesetzt hatte, bekam Damaris viele Pickel im Gesicht, Haarausfall und brüchige Nägel. Sie habe sich kraftlos und dauernd müde gefühlt. Immer mehr kapselte sich Damaris von den Freunden ab, bekam Wutausbrüche, weinte viel. Ihre Frauenärztin habe ihr jedoch nur Antidepressiva angeboten. Nach Hinweisen auf entsprechende Nebenwirkungen aus dem Netz war dann klar, "dass das Ding rauskommt", erinnert sich Damaris.

Schwarze Schafe angeblich die Ausnahme

Unzufriedene, verzweifelte Frauen auf einer Seite und von Hormonspiralen begeisterte Frauenärzte auf der anderen. Aber sehen Frauen, die vor der Entscheidung für eine Hormonspirale stehen, den Beipackzettel auch? Und werden sie ausreichend aufgeklärt? Ja, heißt es in einer Stellungnahme des Berufsverbandes der Frauenärzte.

Beipackzettel vor einer Blisterpackung mit Medikamenten

Beipackzettel nicht nur für den Mülleimer da!

"Direkt vor dem Einsetzen der Spirale müssen Frauen über Risiken der Einlage aufgeklärt werden." Dass eine Frau vor dem Einsetzen der Spirale keinen Aufklärungsbogen unterschreibt und keine Gebrauchsanleitung ausgehändigt bekommt, das sei die Ausnahme.

Beratung durch Frauenärzte nur ausreichend

Frau im Gespräch mit ihrem Frauenarzt

Frauenärzte informieren nur unzureichend

Die Verbraucherzentrale Hamburg kommt bei Stichproben in gynäkologischen Praxen jedoch zu einem anderen Ergebnis. Von 28 getesteten Praxen erreichte nur eine überhaupt ein ausreichend. Der pensionierte Frauenarzt Thomas Dossler aus Solingen meint, es könnte Gründe dafür geben, dass Frauen den Beipackzettel nicht zu sehen kriegen. "Ich behaupte mal, dass die Ärzte diesen komplexen Beipackzettel deswegen nicht zeigen, weil sie fürchten, dass zu viele Patientinnen dann Abstand von der Einlage nehmen."

Wird die Hormonspirale schön geredet?

Etwa 160 Euro kostet die Hormonspirale heute in der Apotheke, für bis zu 400 Euro wird sie in den deutschen Praxen verkauft, inklusive der ärztlichen Leistung. Wird die Hormonspirale deswegen von Gynäkologen oft "schön geredet"? Gerd Glaeske, Pharmakologe an der Universität Bremen, sieht jedoch noch einen weiteren Grund. Frauenärzte, sagt er, verließen sich oft zu sehr auf die Werbeaussagen der Hersteller. "Insofern ist es leider ein wirklich wichtiger Gesichtspunkt zu fragen: "wie können Ärztinnen und Ärzte unabhängig informiert werden?"

Patientinnen auch selbst in der Pflicht

Arzt und Mädchen sitzen am Schreibtisch, Mädchen hat Liste in der HAnd

Beipackzettel besser ganz lesen!

In der Regel kauft die Patientin die Hormonspirale in der Apotheke und geht damit dann zum Frauenarzt, der sie einsetzt. Dazwischen gibt es ausreichend Möglichkeiten, den Beipackzettel zu lesen. Bei Bayerprodukten werden die Nebenwirkungen auf den Beipackzetteln auch gar nicht verschwiegen.

Damaris hat jedenfalls Konsequenzen gezogen aus ihren Erfahrungen und sich die Hormonspirale ziehen lassen. Danach ging es mit ihrer Gesundheit bergauf. "Ich habe keine Bauchkrämpfe mehr, ich lache wieder, ich habe keine Depression mehr, ich heul einfach nicht mehr ohne irgendeinen Grund. Kein Haarausfall mehr, keine schlechte Haut mehr - nichts."

Autorin des Radiobeitrags ist Julia Smilga.

Stand: 26.07.2017, 14:55