Warum Homöopathie nicht wirken dürfte

Mehrere Fläschchen mit homöpathischen Mitteln

Warum Homöopathie nicht wirken dürfte

Von Mathias Tertilt

  • Für homöopathische Mittel wird der Wirkstoff extrem verdünnt
  • Einige Präparate enthalten kein einziges Molekül des Wirkstoffs
  • Es gibt nur eine Erklärung, wie Homöopathie trotzdem wirken kann

Mehr als 500 Millionen Euro geben die Deutschen jedes Jahr für Homöopathie aus. Solche Mittel sind dann homöopathisch, wenn sie durch eine spezielle Verdünnungsmethode hergestellt werden. Beim sogenannten Potenzieren werden die Wirkstoffe mehrfach entweder mit einem Wasser-Alkohol-Gemisch oder aber mit Milchzucker verdünnt.

Tropfen und Schütteln

Die sogenannten Potenzen geben dabei an, wie häufig in Zehner- (D) oder Hunderterschritten (C) verdünnt wird. Ein Beispiel: Für ein homöopathisches Mittel mit D6-Potenz sieht es wie folgt aus:

Ein Milliliter des Wirkstoffs wird in neun Millilitern verdünnt. Die Flasche wird geschüttelt und der Prozess weitere fünf Male wiederholt, der Ausgangsstoff also insgesamt sechs Mal um den Faktor zehn verdünnt. Am Ende befindet sich noch ein Millionstel der Ausgangskonzentration in der Flasche.

Verordnung über homöopathische Mittel (1978)

WDR 4 Meilensteine und Legenden | 15.03.2018 | 02:39 Min.

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Je höher die Potenz, desto weniger Wirkstoff

Die Mittel sind auch in größeren Verdünnungsstufen erhältlich. Doch bei einer Potenz von D9 oder größer sind die natürlichen Verunreinigungen gemäß europäischem Arzneimittelbuch in den Lösungsmitteln oder Zusätzen größer als der eigentliche Wirkstoff.

Häufig werden Mittel mit C12 und höher verschrieben. Der Wirkstoff ist dann so stark gelöst, dass die Fläschchen statistisch nicht einmal ein Molekül davon enthalten.

Mittel mit einer Potenz von C30, die ebenfalls regelmäßig verordnet werden, sprengen schon die Vorstellungskraft. Der Verdünnungsfaktor beträgt eine Dezillion, eine Zahl mit sechzig Nullen.

Wie soll es wirken?

Auf einer einschlägigen Seite zur Homöopathie heißt es: „Je häufiger eine Substanz verrieben oder verschüttelt wurde, umso stärker ist die homöopathische Wirkung, obwohl stofflich bei jedem Potenzierungsschritt immer weniger enthalten ist.“

So wird davon ausgegangen, dass das Wasser über ein Gedächtnis verfüge und selbst in verdünnter Lösung gewisse Strukturen beibehält. Dafür gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Beweise. Rein mathematisch geht die Wirkung der Präparate daher gegen Null. So bleibt als Erklärung nur der psychologische Placebo-Effekt.

Stand: 05.04.2018, 17:45