Heilpraktiker - Heiler oder Scharlatane?

Symbolbild: Junge Frau bei Schröpfbehandlung in einer Naturheilpraxis

Heilpraktiker - Heiler oder Scharlatane?

Heilpraktiker polarisieren: Die einen sind begeistert, den anderen sind sie nicht geheuer. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Heilpraktikern.

Viele Menschen vertrauen Heilpraktikern: Fast 70 Prozent würden laut einer Befragung der Ergo Direkt-Versicherung zumindest einen Besuch beim Heilpraktiker in Erwägung ziehen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gibt es bundesweit 43.000 Heilpraktiker.

Welche Ausbildung haben Heilpraktiker?

Heilpraktiker ist kein anerkannter Ausbildungsberuf, einheitliche Standards für die Ausbildung fehlen. Die Hürden, um an einer der vielen Heilpraktikerschulen angenommen zu werden, sind im Vergleich zu einem Medizinstudium niedrig: Der Anwärter muss 25 Jahre alt sein, ein Führungszeugnis vorlegen und beim zuständigen Gesundheitsamt eine Prüfung ablegen.

Was darf ein Heilpraktiker?

Heilpraktiker dürfen relativ viel. Das fängt beim Spritzen geben an, geht über die Behandlung offener Wunden und Knochenbrüche bis hin zur Therapie von Krankheiten. Nicht behandeln dürfen sie meldepflichtige Infektionskrankheiten wie Masern oder Tuberkulose. Auch alles rund um Zähne und Operationen ist ihnen verboten. Außerdem dürfen sie keine verschreibungspflichtigen Medikamente verordnen. Ernsthaft erkrankte Patienten müssen sie an einen Arzt weiterleiten.

Welche Verfahren werden angewendet?

Blutegel auf der Haut.

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Im Mittelpunkt steht der ganzheitliche Ansatz. Das heißt Körper und Psyche bilden ein Gesamtsystem. Hat jemand zum Beispiel einen Hautausschlag, dann versucht der Behandler sich auch ein Gesamtbild von den Lebensumständen des Patienten zu machen. Seine Therapiemethoden darf er frei wählen. Meist wenden Heilpraktiker verschiedene naturheilkundliche Verfahren und alternative Methoden an. Darunter fallen Chiropraktik, Bioresonanztherapie, Kräuterheilkunde, Aromatherapie, Schröpfen, Akupunktur und Homöopathie.

Verantwortungsvoll oder fahrlässig?

Gerne wird Heilpraktikern vorgeworfen, dass sich manche von ihnen überschätzen oder bedrohliche Situationen nicht erkennen, weil sie das in ihrer Ausbildung nicht gelernt haben. In Extremfällen haben Heilpraktiker schon Krebspatienten nur mit naturheilkundlichen Mitteln weiter behandelt, obwohl ein Mediziner nötig gewesen wäre. Von solchen schwarzen Schafen seiner Branche grenzt sich Rainer Krumbiegel, NRW-Landesvorsitzender des Fachverbandes Deutscher Heilpraktiker, ab: "Wir sind kein Ersatz für Ärzte. Wir sind dankbar, dass es Mittel wie Antibiotika und Cortison gibt. Aber wir können zusätzlich wirken und die Medizin teilweise ergänzen."

Stand: 17.09.2018, 10:02