Warum es die perfekte Grippeimpfung nicht gibt

Nahaufnahme einer Spritze, die in einen Arm gestochen wird.

Warum es die perfekte Grippeimpfung nicht gibt

Von Ildiko Holderer

  • Robert-Koch-Institut rät zu Grippeimpfung
  • Grippeviren sind sehr anpassungsfähig
  • Impfschutz ist bis jetzt zielgenau

Winterzeit ist Grippezeit: Das Robert-Koch-Institut rät dazu, sich schon im Oktober oder November impfen zu lassen. Denn eine richtige Grippe ist meist mehr als nur ein bisschen Schnupfen und Husten. Besonders chronisch Kranke und ältere Menschen gehören zu der Risikogruppe, für die eine Infektionen und deren Folgeerkrankungen tödlich verlaufen können.

Nach wie vor bietet die Grippeimpfung nur einen moderaten Schutz vor den Influenza-Viren. Das sei aber kein Argument dafür, sich überhaupt nicht impfen zu lassen: "Wenn es draußen regnet und Sie haben nur einen löchrigen Regenschirm, dann nehmen Sie ja auch lieber diesen, als ganz ohne aus dem Haus zu gehen", sagt Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut.

Vorteil für die Grippeviren

Ein Impfstoff, der einen wirklich hohen Schutz bietet, konnte bislang nicht entwickelt werden. Das liegt zunächst einmal an der hohen Anpassungsfähigkeit: "Die Viren haben einen Nachteil in einen Vorteil verwandelt", erklärt Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut. Wenn die Grippeviren sich vermehren, gibt es manchmal Fehler beim "Abschreiben" der Erbinformation, so dass die Feinzusammensetzung der Proteinbausteine sich verändert.

Das ist normalerweise schlecht für die Viren, kann aber zum Selektionsvorteil werden, weil das Immunsystem unter Umständen das veränderte Virus nicht erkennt. Dann können keine passenden Antikörper gebildet werden.

Eine Grippeimpfung enthält eben diese Oberflächenproteine, gegen die der Körper nach der Spritze innerhalb von zehn bis vierzehn Tagen Antikörper entwickelt. Verändert sich aber die Zusammensetzung der Proteine stark, dann wirkt auch die Grippeimpfung nicht mehr. "Was wir bräuchten, wäre ein Universalimpfstoff, der auf andere Teile des Virus setzt", sagt Susanne Stöcker.

Prognose wäre "Kaffeesatzleserei"

Bis jetzt sei der Schutz durch die Impfstoffe in Deutschland zumindest für die aktuell häufigsten Grippeviren zielgenau. "Im Oktober Prognosen für die Grippewelle Anfang kommenden Jahres zu treffen, wäre aber nichts anderes als Kaffeesatzleserei", sagt Stöcker. Denn die Viren können sich bis dahin noch stark ändern.

Stand: 02.11.2017, 09:00