Fall Skripal: Woher stammt das Nervengift?

Ein Totenkopf warnt vor tödlichem Gift

Fall Skripal: Woher stammt das Nervengift?

Von Lara Schwenner

  • Bei der Herstellung von Kampfstoffen entstehen chemische Signaturen
  • Dieser "Fingerabdruck" lässt Rückschlüsse auf das Herkunftslabor zu
  • Die Voraussetzung: Es gibt Vergleichsproben

Schon kurz nach dem Giftanschlag auf Sergej und Julia Skripal macht die britische Regierung Russland für das Attentat verantwortlich – und bekommt internationale Unterstützung. Doch auf Basis welcher Beweise? Die Wissenschaftler des britischen Verteidigungsministeriums Porton Down jedenfalls konnten die Quelle des Gifts bislang nicht identifizieren.

Doch wäre ein solcher Nachweis überhaupt möglich? Prinzipiell ja. Eine umfassende Inspektion könnte nachweisen, ob das Nervengift tatsächlich aus Russland stammt. Denn: Bei der Herstellung von Kampfstoffen wie Nowitschok entsteht eine chemische Signatur – vergleichbar mit einem Fingerabdruck.

So entsteht der "Fingerabdruck"

Schuld sind die Rohstoffe, aus denen das Gift entsteht. Je nachdem, wo die Ausgangsstoffe herkommen, haben sie eine charakteristische Isotopenverteilung – diese Signatur lässt sich durch Massenspektrometrie sichtbar machen. Auch können während der Herstellung Nebenprodukte entstehen, die sich als Rückstände im Endprodukt nachweisen lassen.

Ein Forscher entnimmt mit einer Pipette eine Flüssigkeit aus Reagenzgläsern.

Durch Vergleichsanalysen kann die Herkunft des Giftes zurückverfolgt werden

Aus diesen Informationen lässt sich rückwirkend herleiten, wie das Gift hergestellt, welche Hilfsstoffe und welche Rohmaterialien verwendet wurden, erklärt der Chemiewaffen-Experte Ralf Trapp. Und das wiederum lässt Rückschlüsse auf das Herkunftslabor zu. Unter einer Voraussetzung: Aus diesem Labor stehen Daten zur Verfügung, die man mit der Giftprobe aus Salisbury vergleichen kann – doch ist dies im Fall Skripal höchst unwahrscheinlich.

So liefe die Giftstoff-Inspektion ab

Denn diese Vergleichsdaten müssten in den verdächtigen Laboren gesammelt werden: Ein Team der OPWC (Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen) nimmt dafür Proben von Chemikalienvorräten und Laborgeräten, untersucht Laborprotokolle und spricht mit Laborpersonal. So entsteht ein umfassendes Bild, wie ein Labor gearbeitet hat.

Die weitere Inspektion folgt dem Ausschlussprinzip: Passen die Ergebnisse nicht zueinander, lassen sich die untersuchten Labore als Herstellungsort für das Nervengift ausschließen. Ein positives Ergebnis wäre dagegen kein eindeutiger Beweis. Erst müssten weitere Vergleichsanalysen folgen – auch mit Proben aus Laboren anderer Länder.  

Verdächtigt wurden im Fall Skripal laut der britischen "Times" bislang zwei Labore, die im selben Forschungskomplex in Zentralrussland liegen: Schichany und Shikhany. Laut Experten wären aber auch andere Einrichtungen in der Lage, das Nervengift herzustellen. Fest steht aber: Als Quelle des Gifts kommen nur wenige staatliche Labore in Frage, da der Sicherheitsaufwand, der zur Herstellung von Nowitschok gewährleistet sein muss, enorm hoch ist.

Was kann gegen verbotene Chemiewaffen getan werden?

WDR 5 Morgenecho - Interview | 05.04.2018 | 05:39 Min.

Download

Stand: 11.04.2018, 18:40