Zweifelhafter Eingriff: Geschlechtsanpassung intersexueller Kinder (2/2)

Die Auswahl zwischen W, M und X. Das X ist angekreuzt.

Intersexualität

Zweifelhafter Eingriff: Geschlechtsanpassung intersexueller Kinder (2/2)

Das hat eine Studie anhand von Krankenhaus-Statistiken der Jahre 2005 bis 2014 untersucht. Ergebnis: Einen signifikanten Rückgang der Operationen konnten die Forscher nicht feststellen. Die neuen Leitlinien seien bisher bestenfalls "lückenhaft" umgesetzt worden.

Eine andere Studie zeigte, dass hinter OPs oft nicht medizinische Gründe stehen, sondern der Wunsch der Eltern, intergeschlechtliche Kinder vor Ausgrenzung zu schützen. Eine Befragung von Müttern ergab allerdings, dass die Kinder meistens nicht diskriminiert werden – oft werden sie sogar von ihrer Umwelt ermutigt.

Auch die Erfahrung von Lynn zeigt, dass die wohlmeinende Absicht genau das Gegenteil bewirken kann: Durch die ständigen Operationen war Lynn traumatisiert, wurde in der Schule gemobbt. "Am Ende war ich ein komplett verunsichertes Wesen. Hätte ich ich sein dürfen, das wäre nicht leicht gewesen als Zwitter, aber ich hätte ich sein dürfen."

"Genitalverstümmelung de luxe"

Lynn D. führt heute ein erfülltes Leben. Aber die Operationen in ihrer Kindheit haben lebenslange Spuren hinterlassen: "In den medizinischen Unterlagen stand, dass ich gesund war, trotzdem hat man mir Eierstöcke und die Hoden entfernt und mir den Penis amputiert. Das ist ein Riesen-Skandal. Das ist Genitalverstümmelung de luxe."

Stand: 09.04.2018, 15:02