Geschlechter-Klischees im Schulsport

Schwerpunkt Schulsport

Geschlechter-Klischees im Schulsport

Mädchen und Jungen mögen Sport in der Schule nicht gleich gerne. Sie haben auch nicht die gleichen Noten. Wie kann Schulsport beiden Geschlechtern gerecht werden?

Sportunterricht ist bei vielen Schülern beliebt – aber in unterschiedlichem Ausmaß. Mehr Jungen finden Sport gut und sehr gut (78 Prozent), bei den Mädchen sind es nur 65 Prozent, das hat eine Umfrage von Sportschau.de und dem WDR ergeben. Jungen freuen sich auch eher auf den Sportunterricht als Mädchen.

Im Sport trumpfen vor allem die Jungen auf

Porträt der Sportwissenschaftlerin Bettina Rulofs

Erforscht Geschlechterklischees: Bettina Rulofs

Die Sportwissenschaftlerin und Soziologin Bettina Rulfos kann diese Unterschiede erklären: "Sport ist nach wie vor eine mit Männlichkeit assoziierte Domäne", sagt Rulofs, die an der Kölner Sporthochschule am Institut für Soziologie und Genderforschung tätig ist. Dort bekommen in der Regel besonders Jungen positives Feedback. "Diejenigen Jungen, die nicht gut im Sport sind, sind eigentlich die größten Verlierer – das kann sich negativ auf ihre Identitätsbildung auswirken." Daher sei der Sportunterricht für schwächere Jungen besonders schwierig.

Unterschiede anerkennen

Ja, es gibt Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen, betont Petra Guardiera, Rulofs Kollegin, die zur Lehrerausbildung an der Kölner Hochschule forscht. "Wenn es um Kraftverhältnisse geht und die Ausdauer – das ist biologisch begründet, das muss man anerkennen."

Untersuchungen belegen, dass auch bei den Noten keine Gleichheit besteht: Werden Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichtet – was die Regel an den meisten Schulen ist, bekommen die Mädchen schlechtere Noten als wenn sie getrennten Sportunterricht haben.

Wie kann man Klischees abbauen?

"Im Sportunterricht muss es auch darum gehen, Geschlechterstereotype aufzubrechen", sagt Petra Guardiera. Verständnis entwickeln, Unterschiede anerkennen, aber nicht ins Lächerliche ziehen, Klischees abbauen. Dafür könnte es auch sinnvoll sein, in bestimmten Altersklassen oder bei bestimmten Sportarten Mädchen und Jungen zu trennen, betonten Rulofs und Guardiera. Zum Beispiel in der Pubertät, wenn den Jugendlichen Körperkontakt sogar bei der Hilfestellung extrem unangenehm ist. "Allerdings ist das auch immer eine Zwickmühle, denn mit der Trennung betont man wieder die Unterschiede", gibt Rulofs zu bedenken.

JungenMädchen
Ballspiele9178
Schwimmen5752
Leichtathletik5453
Ausdauertraining5638
Turnen2845

Trendsportarten sind keinem Geschlecht zugeordnet

Jugendlicher steht auf Slackline.

Beim Slacklining können Jungen und Mädchen ebenbürtig sein

Geschlechter-Klischees abbauen klingt erstmal gut. Aber wie kann das funktionieren? "Eine Möglichkeit wäre, Unterrichtsgegenstände zu finden, die noch nicht so behaftet sind mit traditionellen Geschlechterstereotypen", schlägt Rulofs vor. Trendsportarten wie Parcours, Hedis (Tischtennis mit größerem Ball und mit dem Kopf) oder Slacklining bieten sich hier an.

Es gibt ja auch Mädchen, die gerne Ballspiele spielen und Jungen, die gerne turnen. "Wir brauchen entsprechende Angebote – dass zum Beispiel männliche Sportlehrer auch mal tanzen", meint Rulofs.

Außerdem müsse das Thema stärker in der Ausbildung der Lehrkräfte berücksichtigt werden. "Wenn jede Lehrkraft eine gewisse Sensibilität dafür hätte, wäre schon viel gewonnen", ist Rulofs überzeugt.

Stand: 29.11.2017, 06:00