Zehn Fakten: Einsam oder gemeinsam Essen?

Kinder am Tisch

Zehn Fakten: Einsam oder gemeinsam Essen?

Von Susanne Schnabel

Alleine essen macht dick? Nicht unbedingt. Zusammen Essen macht glücklich? Kommt darauf an. Viele Forscher haben sich dem Thema "Gemeinsame Mahlzeiten" gewidmet und kamen zu teils erstaunlichen Ergebnissen.

1. In Gesellschaft essen wir mehr

Der US-Psychologe John de Castro forscht seit vielen Jahren zum Thema "gemeinsames Essen". Er fand heraus, dass wir in Gemeinschaft zu deutlich größeren Portionen greifen – je nach dem, mit wie vielen und mit welchen Personen wir speisen. Mit steigender Anzahl der Mitesser werde die Mahlzeit größer - bis zum Doppelten der ursprünglichen Portion. Mit fremden Menschen essen wir zwar ebenfalls mehr, so de Castro, aber mit Familienmitgliedern oder guten Freunden werden die Portionen größer und wir essen deutlich schneller. 

2. Aufmerksamer für Gefühle anderer

Psychologen der Humboldt Universität Berlin haben untersucht, wie wir emotional auf Mahlzeiten mit oder ohne Gesellschaft reagieren. Ihr Fazit: gemeinsames Essen verursacht keine positive Änderung der Stimmung. Die Versuchspersonen schätzten sich nicht als besser gelaunt ein - dafür aber entspannter. Allerdings steige die Aufmerksamkeit für negative Emotionen anderer. Das sei eine "gute Voraussetzung für jegliche Art sozialer Interaktionen", heißt es in der Studie. Gemeinsame Mahlzeiten seien eine gute Basis, wenn soziales Geschick verlangt werde, zum Beispiel vor Besprechungen oder Verhandlungen.

3. Konzentration lässt nach

Familie am Tisch

Gemeinsam essen macht unkonzentriert

Die Berliner Forscher fanden auch heraus, dass gemeinsame Mahlzeiten negative Folgen haben können. So verschlechtere sich die Konzentrationsfähigkeit, die Versuchspersonen waren in Gesellschaft nachlässiger. Ihre Hirnstromkurven zeigten, dass Fehler weniger stark verarbeitet und eher hingenommen werden. Für die Studie wurden 32 weibliche Versuchspersonen getestet. Sie nahmen ihr Mittagessen entweder alleine am Arbeitsplatz im Büro oder mit einer Freundin im Restaurant ein.

4. Familien essen gemeinsam gesünder

Familien, die gemeinsam essen, leben gesünder als solche, die es nicht tun. Zu diesem Ergebnis kamen Professorin Barbara Fiese und ihr Forscherteam der Universität von Illinois. Sie werteten Daten von insgesamt mehr als 180.000 Kindern und Jugendlichen aus. Das Ergebnis: Wer gemeinsam mit der Familie isst, nimmt mehr frische Früchte, Gemüse sowie faser- und calciumreiche Nahrungsmittel zu sich.

5. Weniger Pommes und Co.

Junge beißt in Hotdog.

Fast Food zwischendurch

Kinder, die mit ihrer Familie mehr als dreimal wöchentlich essen, greifen seltener zu ungesunden Produkten wie Süßigkeiten, Limonaden und Fast Food. Die US-Forscher aus Illinois fanden heraus, dass diese Kinder außerdem ein zwölf Prozent geringeres Risiko für Übergewicht haben.

6. Schutz vor Essstörungen

Junge Menschen an einem Tisch

Gemeinsam essen beugt Essstörungen vor

Regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten in der Familie können junge Mädchen davor schützen, eine Essstörung zu entwickeln. In einer Langzeitstudie der Universität von Minnesota stellte eine Forschergruppe fest, dass weibliche Teenager, die sich für fünf oder mehr Mahlzeiten pro Woche mit der Familie getroffen hatten, wesentlich seltener von extremen Maßnahmen zur Gewichtskontrolle Gebrauch machten. Dazu zählen zum Beispiel Erbrechen, Einnahme von Appetitzüglern oder Abführmitteln und unkontrollierte Essattacken. Faktoren wie familiärer Zusammenhalt, Body Mass Index und soziodemografische Faktoren wurden in der Studie berücksichtigt.

7. Wortschatz am Esstisch verbessern

Laut einer Studie der Harvard’s Graduate School of Education können Kinder beim gemeinsamen Essen mit der Familie ihren Wortschatz effektiver verbessern, als wenn die Eltern ihnen aus Büchern vorlesen. Die Teilnahme an Tischgesprächen biete Kindern die Möglichkeit zu lernen, ihr Allgemeinwissen zu erweitern und zu erfahren, wie man kulturell angemessen kommuniziert.

8. Teenager werden emotional stabiler

Regelmäßige Mahlzeiten mit der Familie können das psychische Befinden von Heranwachsenden deutlich verbessern - unabhängig davon, ob die Teenager gerne mit ihren Eltern sprechen oder nicht. Das haben Forscher der McGill University im kanadischen Montreal mit rund 26.000 Teenagern im Alter von elf bis 15 Jahren herausgefunden. Die Studie "Canadian Health Behaviour in School-Aged Children" war Teil einer weltweiten Kooperation von insgesamt 43 Ländern, die von der WHO durchgeführt wurde. Ein Ergebnis: Jugendliche, die an Familienmahlzeiten teilnehmen, haben mehr Vertrauen und sind im Allgemeinen emotional stabiler sind als Jugendliche, die nicht mit ihrer Familie essen.

9. Schulverpflegung als Chance

Es muss nicht immer mit Mama und Papa sein: Gemeinsame Mahlzeiten in der Schulkantine seien eine gute Möglichkeit zur Kommunikation und können zur Förderung eines guten sozialen Schulklimas beitragen, sagen Wissenschaftler der Universität Paderborn. Zudem hätten die Schulen die Chance, den Kindern und Jugendlichen ein gesundheitsförderndes Essverhalten sowie Esskultur und geltende Tischsitten näher zu bringen.

10. Zusammen essen, besser zusammen arbeiten

Junge Menschen in einer Kantine

Mit Kollegen essen verbindet

Regelmäßige gemeinsame Mittagessen verbessern die Zusammenarbeit der Kollegen und ihre Arbeitsleistung. Das zeigt eine Studie US-amerikanischer Forscher von der Cornell University mit Mitarbeitern von 50 Feuerwachen. "Evolutionär-anthropologisch betrachtet", hätten gemeinsame Mahlzeiten eine lange Tradition als eine Art sozialer Klebstoff, so die Forscher. Das setze sich im heutigen Arbeitsalltag fort.

Stand: 29.08.2016, 06:00