So raffiniert warnt der Körper vor Erkältungen

So raffiniert warnt der Körper vor Erkältungen

Von Ina Daniel

  • Infektionen unbewusst erkennen
  • So funktioniert das Erkältungsfrühwarnsystem
  • Wie das Hirn reagiert

Ob in der Bahn, im Büro oder im Kino – in der kalten Jahreszeit treffen wir überall auf sie: Menschen mit Erkältung. Sie husten, keuchen und niesen. Und machen uns so krank.

Doch unser Körper verfügt über wirkungsvolle Mechanismen, die uns vor einer Infektion schützen können. Treffen wir auf eine infizierte Person, schlägt das Erkältungsfrühwarnsystem Alarm.

So funktioniert das Erkältungsfrühwarnsystem

Unser Sehsinn nimmt erste Krankheitsanzeichen wahr. Das Gesicht des Infizierten wirkt blass, der Blick trübe, die Mundwinkel leicht heruntergezogen. In unsere Nase strömt ein leicht unangenehmer Geruch. All diese Wahrnehmungen werden ans Gehirn weitergeleitet.

Erkrankte wirken auf uns unsympathischer als Gesunde, sagen die Neurowissenschaftler Christina Regenbogen, Johan Lundström und ihre Kollegen vom Karolinska-Instituts Stockholm, die das in einer Studie untersucht haben. Die Ergebnisse haben sie im Wissenschaftsmagazin PNAS veröffentlicht.

Stark vergrößerte Abbildung eines Rhinovirus'

Das Rhinovirus löst Erkältungen aus

Befragte empfinden Infizierte als unsympathisch

In einer Studie infizierten die Forscher Freiwillige mit Erregerbestandteilen, sogenannten Lipopolysacchariden (LPS). Diese verursachten Entzündungszustände, Müdigkeit und Fieber.

Zwei Stunden später fotografierten die Forscher die Infizierten und nahmen Geruchsproben. Mit Fotos und Gerüchen von 18 Infizierten konfrontierten die Wissenschaftler 30 weitere Personen, die nicht wussten, worum es in der Studie geht.

Das Ergebnis: Die Befragten bewerteten die Gesichter der Erkrankten als unsympathisch, deren Gerüche empfanden sie als unangenehm.

Das Bild zeigt einen hustenden Mann.

Ob jemand krank ist, zeigt sich nicht immer so offensichtlich wie hier

Körper signalisiert: Geh auf Abstand!

Die Probanden reagierten unbewusst auf die Infizierten. Ihr Körper signalisierte ihnen: Pass auf, halte Abstand und meide direkten Kontakt! So schützte ihr Körper sie womöglich davor, sich zu infizieren.

"Menschen, die wir unsympathisch finden, meiden wir eher", sagt Thomas Hummel, Humanmediziner von der TU Dresden. Er gibt aber zu Bedenken, dass die Ergebnisse bislang nur auf Laboruntersuchungen beruhen. Der nächste Schritt wäre es, die Studie unter natürlichen Bedingungen zu überprüfen.

Die Forscher haben in ihrer Studie nur wenige Probanden befragt. Die Ergebnisse müssen noch durch größer angelegte Untersuchungen kontrolliert werden.

Mikroskopaufnahme eines Prostatatumors.

Tumore erkennt das Erkältungsfrühwarnsystem nicht

Warnsystem erkennt Erkältungen und Grippe-Infektionen

Das Frühwarnsystem scheint zudem nur Infektionskrankheiten zu erkennen, also Erkältungen oder Grippen, nicht aber andere Krankheiten, etwa Krebs.

Auch die Beziehung zum Infizierten kann das Frühwarnsystem außer Kraft setzen. Stehen wir dem Infizierten nah, halten wir den Abstand nicht ein – reagieren gar eher fürsorglich. Das gilt etwa, wenn die eigenen Kinder oder der Partner erkranken.

Stand: 21.12.2017, 14:53