Was haben 15 Jahre Einwegpfand gebracht?

Hand schiebt Plastikflasche in Pfandautomat

Was haben 15 Jahre Einwegpfand gebracht?

Von Stefan Michel

  • Pfand auf Dosen und Plastikflaschen seit 01.01.2003
  • Mehrweg-Anteil seitdem weiter gesunken
  • Umwelthilfe fordert Pfand auf Getränkekartons
Jürgen Trittin mit Mineralwasser-Kasten

Mehrweg-Fan Trittin 2002

"Die Menschen wollen sich mit der zunehmenden Vermüllung unserer Landschaft nicht abfinden", wetterte Umweltminister Jürgen Trittin 2002 im Bundestag und warb "für das Dosenpfand". Das Problem mit den Dosen in der Landschaft sei gelöst, sagt Politiker Trittin heute. "Das bestätigen Ihnen Autobahnmeistereien, Revierförstereien…"

…oder auch Elmar Diehl von der Siegener Stadtreinigung: "Die Flaschen und Dosen, die mit 25 Cent belegt sind, findet man kaum noch." Dazu trügen auch die Pfandsammler bei. "Wenn unsere Mitarbeiter morgens die Papierkörbe leeren, sind die meistens schon da gewesen."

Mehrweg-Anteil gesunken

Und der Mehrweg-Anteil? 2003 lag er bei 66,3 Prozent. Meist handelte es sich um umweltfreundliche Mehrwegflaschen aus Glas. Umweltfreundlich, weil sie im Schnitt 40 Mal zurückgegeben und neu befüllt werden. Das verbraucht wesentlich weniger Energie, als all die Flaschen und Dosen herzustellen, die nur einmal verwendet und dann – günstigstenfalls – recycelt werden. Nur beim Bier ist der Mehrweg-Anteil gestiegen. Insgesamt aber ist er seit 2003 auf 44 Prozent gefallen.

Flaschen und Dosen für Saft und Nektar, Milchgetränke, Wein und Schnaps sind pfandfrei, ebenso sämtliche Getränkekartons. Das wird auch so bleiben, wenn in einem Jahr das neue Verpackungsgesetz in Kraft tritt. Die einzige nennenswerte Neuerung: Ab 2019 müssen die Händler deutlicher kennzeichnen, was Einweg und was Mehrweg ist.

Pfand auch auf Kartons gefordert

Plastik-Einwegflaschen

So gut wie Mehrweg?

Das neue Gesetz nennt als Ziel einen Mehrweg-Anteil von 70 Prozent. Wie der erreicht werden soll, steht nicht darin. Wolfgang Burgard vom Bund Getränkeverpackungen der Zukunft findet: "Wir brauchen keine Mehrwegquote, sondern wir müssen dafür sorgen, dass Umwelt- und Klima-Schutz durch Verbesserung im Recycling und beim Wertstoffkreislauf erreicht werden."

Burgard steht einem Verband von Einweg-Lobbyisten vor, darunter Aldi und Lidl, Red Bull und Pepsico. Ihre Botschaft: Recycelte Einwegflaschen seien ebenso gut für die Umwelt wie Mehrwegflaschen. Dem widersprechen die Umweltverbände entschieden.

Die Deutsche Umwelthilfe etwa fordert, alle Getränke-Einwegverpackungen mit 25 Cent Pfand zu belegen, auch die Getränkekartons. Und zusätzlich solle der Staat eine Lenkungsabgabe einführen: 20 Cent auf jede Ex- und-Hopp-Verpackung, um das Mehrweg-System zu stützen.

WDR 5 Leonardo: 15 Jahre Einwegpfand

08:31 Min.

Stand: 01.01.2018, 11:00