Die Kleine Anfrage - Warum wirkt Schaukeln beruhigend?

Zwei Mädchen schaukeln auf einem Spielplatz vor dem Gegenlicht der Sonne

Die Kleine Anfrage - Warum wirkt Schaukeln beruhigend?

Ob Gartenschaukel, Babywippe oder Schaukelstuhl: Menschen scheinen es zu mögen, ihren Körper in Schwung zu bringen. Leonardo ist der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen das Schaukeln auf Körper und Psyche hat.

Vielkönner: Vestibulärapparat

Dazu müssen wir zunächst einen Blick in unser Innenohr werfen. Dort sitzt unser Gleichgewichtsorgan, der Vestibulärapparat. Er enthält Rezeptoren, die Bewegung, Beschleunigung und Verlangsamung, Drehung und Vibrationen empfinden und informiert uns über unsere Lage im Raum, sichert unser Gleichgewicht und koordiniert unser Sehen.

Gänge im Innenohr

Durch seine Sensoren können wir zum Beispiel Drehbeschleunigungen oder lineare Beschleunigungen, wie die Vor- und Rückwärtsbewegung beim Schaukeln, wahrnehmen. Hierbei spielen vor allem die Makulaorgane und die Bogengänge des Vestibulärapparats eine Rolle.

Sensoren für Schwerkraft

Durch die sensorischen Informationen über die Schwerkraft und die Bewegung, die vom Gleichgewichtssystem an das Gehirn gemeldet werden, kann sich der Mensch an seine Umwelt anpassen, sich im Raum orientieren und aufrecht gehen.

Alles im Griff

Erfahrungen mit Schwerkraft und Lage im Raum gehören zu den Grundbedürfnissen der Entwicklung eines Menschen. Durch gemäßigte vestibuläre Anregungen, wie ein sanftes Schaukeln, werden diese Grundbedürfnisse trainiert, die Muskeln kommen in Bewegung und die Makulaorgane und Bogengänge können dem Gehirn vermitteln: „Ich habe alles im Griff“.

Schaukeln im Mutterleib

Die mit dem Vestibulärapparat verbundenen Nervenbahnen sind bereits bei einem etwa 20 Wochen alten Ungeborenen im Mutterleib angelegt. Offenbar braucht das System von diesem Augenblick an Reize, um sich weiterzuentwickeln. Das Kind nimmt jede Bewegung der Mutter wahr und steuert entsprechend dagegen. Dementsprechend wird ein sanftes Wiegen oder Schaukeln nach der Geburt als etwas Beruhigendes und Angenehmes wiedererkannt.

Geborgenheit imitieren

Diesen Effekt spüren beispielsweise auch Kinder, denen es an Zuwendung fehlt und die sich nicht genügend spüren können. Sie imitieren durch selbstinitiierte, gleichbleibende Schaukelbewegungen unbewusst die frühkindliche Geborgenheit im Mutterleib.

Stand: 11.08.2016, 12:09