Archivbild: Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker

Zum Stand der Welt: Ernst Ulrich von Weizsäcker im Interview (Teil 2)

Stand: 06.04.2018, 15:00 Uhr

  • Interview mit Ernst Ulrich von Weizsäcker, Teil II
  • Braunkohle: "Ein Problem, das sich lösen lässt"
  • Lösungsansatz: Zerstörerisches Verhalten unprofitabel machen

WDR: Welche Punkte sollten uns denn deutlich mehr alarmieren, als sie es derzeit tun?

Weizsäcker: Wir brauchen zum Beispiel eine Finanzmarktregulierung. Das ist ein sehr wichtiges Kapitel in unserem Buch. Wir brauchen außerdem eine Kreislaufwirtschaft, die diesen Namen auch verdient, weil wir sonst die Ressourcen sinnlos ausbeuten.

50 Jahre Club of Rome

WDR 5 Leonardo Top Themen 06.04.2018 07:41 Min. Verfügbar bis 05.04.2023 WDR 5


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Wir brauchen viel schärfere Gesetze zum Schutz der biologischen Vielfalt, die auch die Landwirtschaft treffen – die heutige Landwirtschaft ist eine Katastrophe für die biologische Vielfalt. Weitere Punkte sind der Klimaschutz und natürlich der Schutz der Schwächeren.

WDR: Also neue Wirtschaftsmodelle, Innovationen in der Landwirtschaft, bessere Energieeffizienz. Haben Sie ein Beispiel, wo schon radikal umstrukturiert wurde und wo es in ihrem Sinne wirklich gut läuft?

Weizsäcker: Da können wir Deutschen eigentlich ein stückweit stolz sein: Die Energiewende in der Form, wie wir sie heute weltweit sehen, ist in Deutschland losgetreten worden mit dem "Erneuerbare-Energien-Gesetz". Das hat der deutsche Bundestag beschlossen – zwar unter vielen Protesten der Wirtschaft – aber inzwischen ist auch die Wirtschaft damit relativ happy.

Rund 100 Länder der Welt haben das im wesentlichen nachgemacht: Dezentralisierung von Energie bei gleichzeitiger Erhöhung der Energieeffizienz.

WDR: Aber wir hängen an der Braunkohle, wie an unserem linken Arm...

Weizsäcker: Das war ökologisch gesehen schlimm. Auch, dass man Gaskraftwerke nicht an das Netz gebracht hat, sondern stattdessen Braunkohle. Das sind aber vorübergehende Probleme, die sich lösen lassen.

Archivbild: Windräder stehen am 21.06.2017 bei Stommeln vor dem Braunkohlekraftwerk Niederaußem.

WDR: "Wir sind dran" heißt der aktuelle Bericht des Club of Rome. Sie waren selbst einige Jahre in der Politik: Mitglied im Bundestag, Präsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Was stimmt sie hoffnungsvoll, dass wir nicht nur dran sind, sondern es auch schaffen können?

Weizsäcker: Wenn ich mit jungen Leuten rede, dann merke ich: Die sind sich ziemlich bewusst darüber, dass es so einfach nicht weitergehen kann.

Wir zeigen auch im dritten Teil unseres Buches, dass es echt pragmatische Lösungsvorschläge gibt, um ökologisches Verhalten in der Wirtschaft profitabel und zerstörerisches Verhalten unprofitabel zu machen – jedoch geht das niemals ohne die Politik

Zurück zum ersten Teil des Interviews.

Die Fragen stellte Marija Bakker.

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