Luftverschmutzung lässt den Blutdruck steigen

Rauchender Auspuff

Luftverschmutzung lässt den Blutdruck steigen

Von Ildiko Holderer

Bluthochdruck durch Luftverschmutzung und Lärm? Eine am Dienstag (25.10.2016) erschienene Studie zeigt, wie schädlich Feinstaub und Ruß sogar unterhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzen sein können. Besonders im Ruhrgebiet zeigen sich deutliche Zusammenhänge.

Bluthochdruck gilt als wichtigster Risikofaktor für vorzeitige Erkrankungen und Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 2014 starben nach Zahlen des Statistischen Bundesamts über 338.000 Menschen in Deutschland an Herzkrankheiten, Herzinfarkten und Schlaganfällen. Forscher haben unter der Leitung der Düsseldorfer Umweltmedizinerin Barbara Hoffmann von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf bestätigen können, dass zwischen Luftverschmutzung und Bluthochdruck ein Zusammenhang besteht.

Die Forscher der Langzeitstudie beobachteten mehr als 41.000 Probanden in Deutschland, Norwegen, Schweden, Dänemark und Spanien über einen Zeitraum von fünf bis neun Jahren. Alle Probanden hatten zu Beginn der Studie keinen Bluthochdruck und wurden in regelmäßigen Abständen befragt und untersucht. Insgesamt entwickelten 15 Prozent der Teilnehmer während des Zeitraums der Studie Bluthochdruck.

Risiskofaktor Rußpartikel

In den Studienregionen wurde zwischen 2008 und 2011 die Luftverschmutzung gemessen – ausschließlich in städtischen Regionen. "In Deutschland haben wir Probanden im Ruhrgebiet und in der Region Augsburg untersucht", so Barbara Hoffmann. Vor allem die besonders kleinen Feinstaubpartikel des Typs PM 2,5 bedingen den Ergebnissen der Forscher nach einen erhöhten Blutdruck. Besonders belastet mit diesen Partikeln, die zum Beispiel durch Industrie und Straßenverkehr in die Luft gelangen, war das Ruhrgebiet.

Im Ruhrgebiet konnten die Forscher der Studie außerdem einen deutlichen Zusammenhang zwischen Rußpartikeln und Bluthochdruck feststellen. "Ein Grund für einen erhöhten Anteil an Rußpartikeln in der Luft sind Dieselfahrzeuge. Aber auch Industrie und zum Beispiel der Schifffahrtverkehr im Duisburger Hafen erzeugen Ruß", sagt Hoffmann.

Mehr Dezibel = höherer Blutdruck?

Neben der Luftverschmutzung untersuchten die Forscher auch die Wirkung von Lärm auf den Blutdruck. Bereits der Unterschied von 40 zu 50 Dezibel können ihren Ergebnissen zufolge das Risiko auf Bluthochdruck um sechs Prozent erhöhen. "Für unsere Studie war vor allem der Straßenverkehrslärm relevant, Industrie- und Fluglärm spielten in den Studienregionen eher eine untergeordnete Rolle", so Hoffmann.

"Grenzwerte schützen nicht"

Alle Regionen erfüllen die EU-Richtlinien zu Grenzwerten für Lärm, Feinstaub, Stickoxid und Ruß. "Trotzdem konnten wir auch bei dieser Luftqualität Zusammenhänge zwischen Bluthochdruck und der Luftverschmutzung feststellen. Heißt: Die EU-Grenzwerte schützen uns nicht wirklich", so das ernüchternde Ergebnis der Umweltmedizinerin.

Stand: 25.10.2016, 18:25