Blut sparen bei Operationen

Rote und weiße Blutkörperchen

Blut sparen bei Operationen

Blutspenden retten Leben – aber unnötige Transfusionen können auch Schaden anrichten. An der Frankfurter Uniklinik läuft seit 2013 das Projekt "Patient Blood Management". Das Ziel: Der sparsame Umgang mit Blutkonserven.

Immer wieder melden das Rote Kreuz oder andere Organisationen, dass Blutkonserven knapp werden. Dann folgen Aufrufe an die Bevölkerung, in denen um Spenden gebeten wird. Die Frankfurter Uniklinik hat sich zum Ziel gesetzt, den Einsatz solcher Konserven konsequent zu verringern – nicht nur weil die mitunter knapp sind, sondern auch weil zuviel davon Patienten sogar schaden können.

"Blood Management"

Blutentnahme mit einer Spritze.

Wieviele Hämoglobin ist im Blut?

Patienten, die an der Frankfurter Klinik operiert werden sollen, müssen deshalb routinemäßig zum zuständigen Narkosearzt und von dort zur so genannten Anämieambulanz, erklärt Oberarzt Patrick Meybohm. "Da besprechen wir dann genau, wie ist der Hämoglobinwert, und wenn wir sehen, der ist zu niedrig, wie kann man das gegebenenfalls vor der Operation optimieren."

Eine Blutarmut ist gar nicht so außergewöhnlich – Experten schätzen, dass etwa drei von zehn Operationskandidaten zu niedrige Hämoglobinwerte mitbringen. Ärzte wie Meybohm schauen dann, "was gibt es für Ursachen, wie zum Beispiel den Eisenmangel. Den kann man sehr einfach korrigieren, zum Beispiel durch eine Infusion vor der Operation. Die Anämie wird milder, und der Patient hat mehr Reserve."

Wer Blutkonserven spart, spart auch Geld

Die Frankfurter Uniklinik hat das Prinzip des Patient Blood Managements allerdings nicht erfunden. Viele in- und ausländische Experten plädieren schon seit Jahren dafür. Auch Rainer Seitz, am Paul-Ehrlich-Institut zuständig für Transfusionsmedizin, hält es für eine gute Idee. Für ihn ist das inzwischen ein erfreulicher "Trend, der sich auf die Dauer überall durchsetzen wird". Nicht zuletzt wegen der möglichen Einsparungen, die ein wichtiger Anreiz seien.

Wundblut kann sogar recycelt werden

Aufgehängte Blutkonserven

Bei riskanten Operationen setzen zum Beispiel viele Kliniken ein Gerät ein, das Wundblut absaugen und dem Patienten wieder zurückgeben kann. Austretendes Blut wird an der Operationswunde abgesaugt und gesammelt. Schläuche leiten es dann weiter in Zentrifugen. Heraus kommen gewaschene rote Blutkörperchen. Die bekommt der Patient zurück – früher wären sie im Müll gelandet.

Inzwischen weiß man, dass viele Patienten niedrigere Hämoglobinwerte verkraften als man früher dachte. Das steht so auch in den Leitlinien, die beschreiben, wann Ärzte Fremdblut einsetzen sollen. Sich an diese Leitlinien tatsächlich zu halten, gehört für Transfusionsmediziner Erhard Seifried vom DRK-Blutspendedienst ebenfalls zum Patient Blood Management. "Wenn es gelänge, allein schon diese Leitlinien einzuhalten, das wäre schon mal ein Erfolg."

Fast ein Fünftel weniger Blut verbraucht

Andere Kliniken machen es ähnlich: Vier Universitätskliniken, Frankfurt, Bonn, Münster und Kiel, haben gemeinsam ihre Blutmanagement-Erfahrungen in einer Studie an knapp 130.000 Patienten untersucht. Die Ergebnisse haben die Erwartungen der Wissenschaftler bestätigt: der Blutverbrauch sank um rund ein Fünftel, und den Patienten ging es genauso gut wie vorher. "Patienten, die transfundiert wurden", sagt Patrick Meybohm, "haben sogar ein höheres Risiko für Komplikationen, für akutes Nierenversagen, Herzinfarkt, für Infektionen." Schon über 100 Kliniken haben sich dem Netzwerk angeschlossen.

Blut sparen bei Operationen

WDR 5 Leonardo - Hintergrund 18.10.2016 10:52 Min. Verfügbar bis 17.10.2021 WDR 5


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Autorin des Radiobeitrags ist Antje Sieb.

Stand: 11.10.2016, 16:09