Wie Deutsche über Depressionen denken

Symbolbild Depression

Wie Deutsche über Depressionen denken

  • Depressionen sind längst eine Volkskrankheit
  • Dennoch haben viele falsche Vorstellungen
  • Befragung der Deutschen Depressionshilfe und der Deutschen Bahn Stiftung

Eins wird in der Befragung besonders deutlich: Der Satz "Depressionen können jeden treffen" ist bei vielen noch nicht angekommen. Für die allermeisten ist immer noch klar: Die Krankheit hat ganz konkrete Ursachen. Stress im Job, Schicksalsschläge oder Probleme mit Mitmenschen machen uns depressiv.

Dabei zeigen viele Studien, dass all diese Faktoren Depressionen auslösen können, aber nicht müssen. Und auch, dass scheinbar glückliche und positive Menschen genauso krank werden können. Dazu kommt: Gerade Nicht-Betroffene haben oft Vorurteile über Depressionen. So sagt rund jeder Dritte von ihnen, dass er "Charakterschwäche" für eine mögliche Ursache hält. Bei den Betroffenen sind es deutlich weniger.

Schokolade und zusammenreißen

Auch bei der Frage "Was glauben Sie, hilft gegen die Depression?" gibt es bei vielen Nicht-Betroffenen Nachholbedarf. Fast jeder fünfte Befragte geht davon aus, dass es hilft, "Schokolade oder Süßes" zu essen. Ähnlich viele meinen, dass sich Menschen mit Depressionen häufiger "zusammenreißen" sollten. Auch glauben viele, dass Urlaub ein geeignetes Mittel gegen Depressionen ist.

Befragte kennen "echte Helfer"

Jogger im Wald

Sport und gemeinsame Zeit mit Freunden sollen helfen

Es gibt aber auch positive Ergebnisse. Den meisten Befragten ist klar, dass es sinnvoll ist, bei Verdacht auf Depression zunächst zum Arzt zu gehen. Auch wissen die meisten, welche „Hilfsmittel“ Betroffenen das Leben leichter machen können: Dazu gehört unter anderem „Viel Sport machen“, „Autogenes Training“ oder ein Austausch mit Freunden.

Unsicherheit bei Antidepressiva

Antidepressiva-Tabletten liegen auf einem Blatt Papier, das Wort "antidepressant" ist freigelassen.

Betroffene greifen oft auf Antidepressiva zurück

Beim Thema Medikamente ist sich ein Großteil der Befragten einig: Antidepressiva helfen. Es gibt aber auch hier Unterschiede zwischen Betroffenen und Nicht-Betroffenen: Wer keine Depressionen hat, denkt deutlich häufiger, dass Antidepressiva süchtig machen und den Charakter verändern.

3.000 Befragte

Die Autoren haben insgesamt zwei Befragungen gemacht. In einem ersten Schritt wurden rund 2.000 Menschen befragt, die teilweise selbst Erfahrungen mit Depressionen hatten, teilweise über Angehörige oder Freunde und teilweise gar keine. In einem zweiten Schritt wurden noch einmal 1.000 Menschen mit Depressionen befragt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass mehr als vier Millionen Deutsche von Depressionen betroffen sind. Andere Einrichtungen gehen von deutlich mehr aus. Die Krankheit hat unterschiedliche Symptome. Ein erster Hinweis können wochenlange Schlafstörungen, verbunden mit Antriebslosigkeit und einem Gefühl der inneren Leere sein.

Stand: 28.11.2017, 16:52