Betteln in den Innenstädten

Betteln in den Innenstädten

Aggressives und aufdringliches Betteln entwickelt sich in deutschen Innenstädten immer mehr zu einem Problem. Der Streetworker Franco Clemens erklärt, wie wir uns gegenüber diesen Menschen verhalten sollten.

In Bonn dürfen Bettler, vorerst bis Ende August, nicht mehr vor dem Münster stehen. Es war am Eingangsportal wiederholt zu Alkoholexzessen und Schlägereien gekommen. Osteuropäische Bettler hatten offenbar die alteingesessenen vertrieben, um an den Türen um Geld zu betteln. Besucher trauten sich daraufhin nicht mehr in die Kirche. Die Kirchenleitung überlegt nun, wie geordnetes Betteln wieder möglich sein könnte.

Kein Einzelfall

Bettler auf der Straße

Eine milde Gabe, bitte...

Auch Essen hat neben anderen Städten in NRW damit zu kämpfen. Doch was können Passanten tun, wenn Sie zu aggressiv um Almosen angegangen werden? Was können Städte und Ladenbesitzer ausrichten? Franco Clemens ist Streetworker in Köln. Er kennt das Leben auf der Straße und weiß, woran man echte Not erkennt.

Er ist bereits in jungen Jahren als reisender Straßenmusiker durch die Metropolen Europas und die USA gezogen. Das hat ihn geprägt und hilft ihm im Umgang mit schwierigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen und seiner Arbeit mit Randgruppen im öffentlichen Raum.

Mehr Bettler

Franco Clemens beobachtet, dass Betteln grundsätzlich zunimmt. „Es gibt kriminelle Banden, die ihre Bettlertrupps mit dem Kleinlaster in die Städte bringen und nachher das erbeutete Geld abgreifen.“ Das organisierte Betteln mache allerdings nur einen ganz geringen Prozentsatz aus. Der Großteil seien Bettler, die so ihren Lebensunterhalt verdienten. Dass es immer mehr von ihnen auf unseren Straßen gibt, erklärt sich Clemens damit, dass die Zahl bewusster Aussteiger wächst.
Die Hartz IV-Auflagen, drohende Repressionen, wenn bestimmte Anforderungen nicht erbracht würden und die sofortige Sanktionierung führten dazu, dass sich Menschen aus den normalen Strukturen verabschiedeten und auch keine Sozialleistungen annähmen, so Clemens.

„Früher war das Flaschensammeln ein Alleinstellungsmerkmal dieser Menschen. Heute haben sie Konkurrenz durch Rentner oder Hartz IV-Empfänger, deren Geld nicht reicht“, sagt Franco Clemens. Auch deshalb sei das Betteln möglicherweise forscher geworden.

Aggressives Verhalten

Wer zu aufdringlich oder sogar aggressiv um Almosen gebeten wird, sollte mit seiner Körpersprache signalisieren, dass er sich nicht einschüchtern lässt, rät der Streetworker. Treten Sie selbstsicher auf und halten Sie Distanz. Nützt das nichts, werden Sie am besten laut und machen Sie andere Passanten auf sich aufmerksam. Werden Sie bedroht, rufen Sie die Polizei, empfiehlt der Experte.
Wenn Bettler jemanden festhalten, angreifen, bedrängen oder hartnäckig belästigen, falle das unter aggressives Betteln und sei eine Straftat.

Geben ist gut

Generell hält Franco Clemens es für in Ordnung, Geld zu geben. Egal, was der Almosenempfänger damit macht. Außerdem sei eine ehrliche Spende auch ein Beitrag für die innere Sicherheit. Dadurch rutschten diese Menschen nicht gleich in eine kriminelle Schiene ab, um überleben zu können, so Clemens.

Stand: 22.08.2016, 15:40