Baumwollbeutel sind nicht immer besser

Frau mit Papiertüten und Frau mit Baumwolltasche

Baumwollbeutel sind nicht immer besser

Von Andreas Sträter

  • Ökobilanz eines Baumwollbeutels und einer Papiertüte.
  • Baumwollbeutel erst ab 131 Einsätzen besser als Plastiktüten.
  • Papiertüten müssen mindestens dreimal benutzt werden.

Wer einen Baumwollbeutel zur Einwegtasche macht, der schadet der Umwelt. Das britische Umweltministerium hat in einer Analyse herausgefunden, dass Baumwollbeutel 131-mal genutzt werden müssen, damit sie in der Ökobilanz besser sind als Plastiktüten. "Eine Schrankwand voller Ökobeutel bringt nichts, die muss man dabei haben", sagt Benedikt Kauertz vom ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg dem WDR.

Eine Schweizer Studie kommt zwar auf eine geringere Zahl der Mehrfachbenutzung, doch in einer Life Cycle Analysis werden Faktoren wie die Versäuerung der Böden, die Belastung des Gewässers oder auch Ozonwerte berücksichtigt.

Aufwendige Herstellung

Die Produktion von Baumwollbeuteln ist sehr ressourcenintensiv. "Baumwolle muss üblicherweise gedüngt, gespritzt und gewässert werden", sagt Kauertz. "Das alles trägt zu den Umweltlasten des Baumwollanbaus bei. Daher sollte das Material so lange wie möglich genutzt werden."

Kritisch sehen Experten auch die Verwendung von Papiertüten. Hier gilt: Sie müssen mindestens dreimal verwendet werden, um in der Klimabilanz einen Vorteil gegenüber den Plastikbeuteln zu erreichen. Damit sie auch beim Transport schwerer Lebensmittel nicht reißen, braucht es in der Summe mehr Material sowie lange und stabile Papierfasern, die nur aus neuem Material gewonnen werden können.

Papiertüten: Oft kein Recyclingmaterial

Obwohl die meisten Papiertüten eine bräunliche Farbe haben, bestehen sie übrigens nicht aus Recyclingmaterial, erklärt Katharina Istel, Nachhaltigkeits-Expertin des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu).

"Mich ärgert es, wenn die falschen Vorstellungen der Kunden ausgenutzt werden und anstatt zu motivieren, eigene Taschen und Beutel mitzubringen, einfach Einwegplastiktüten mit Einwegpapiertüten ersetzt werden", sagt Istel. "Die Verbraucher denken, sie tun etwas Gutes – im Gegenteil."

Plastiktüten vermeiden, nicht ersetzen

Die positiven Meldungen aus dem Handel müssen deshalb kritisch eingeordnet werden. Der Verbrauch von Plastiktüten pro Kopf in Deutschland sinkt nach der freiwilligen Selbstverpflichtung des Handelsverbands HDE zwar, doch Verbraucher helfen der Umwelt nur, wenn sie Plastiktüten komplett vermeiden – und sie nicht ersetzen.

Stand: 19.01.2018, 10:00