Bargeld stinkt nicht – aber: ist es auch hygienisch?

Bargeld stinkt nicht – aber: ist es auch hygienisch?

Bargeld geht durch viele Finger. "Wasch dir bitte die Hände, du hast Geld angefasst", den Spruch kennt deshalb vermutlich jeder. Aber, ist Geld wirklich so unhygienisch? Und wie gefährlich sind Bakterien auf Münzen und Scheinen wirklich?

Auf der Oberfläche der Banknote ist ganz schön was los: Bis zu 3.000 verschiedene Erreger-Arten tummeln sich auf einem Schein. Demzufolge müsste Bankkaufmann ein gefährlicher Beruf sein. Hygieniker geben jedoch Entwarnung. Jede Fahrt mit der vollbesetzten U-Bahn oder das Berühren der Tastatur am Fahrkartenautomaten sei keimbelasteter. "Es gibt keine Untersuchung die nachweist, dass Menschen die Geldscheine berührt haben, dadurch krank geworden sind", sagt Experte Frank Mosel. Wahrscheinlicher sei da schon, dass solche Keime auf Lebensmittel übertragen werden und dann vielleicht krank machen.

Jede Menge Fäkalbakterien

Petrischale mit grünlicher Flüssigkeit

Keime werden erst in der Petrischale nachweisbar

Auf Geldscheinen – aber auch Münzen - verbirgt sich eine Menge Leben. Fäkalbakterien, Salmonellen und zahlreiche andere Krankheitserreger. Wie unterschiedlich die Bakterien auf Geld sein können, hat Frank Mosel in einem Experiment nachgewiesen. "Wir haben zum Beispiel auf dem Geldschein aus einer Metzgerei einen Erreger nachgewiesen, der Euterentzündungen bei Kühen hervorruft oder in einem Obstgeschäft Erreger aus der Landwirtschaft, die als biologische Waffe gegen Schnecken verwendet werden."

Für Krankheitserreger sei die Übertragung durch Geld ohnehin ziemlich unpraktisch, sagen Hygieniker. Viel zu langsam wechselten Scheine und Münzen den Besitzer. Einmal niesen in der U-Bahn – und Viren zum Beispiel hätten sich viel schneller auf viel mehr Menschen verteilt. Trotzdem, in der Essener Sparkasse wäscht sich Bankkauffrau Agatha Lempka sicherheitshalber lieber regelmäßig die Hände. "Auf jeden Fall häufiger als wenn man jetzt zu Hause ist."

Geldwäsche mal anders

Eine Person wäscht sich die Hände im Krankenhaus

Desinfektion hilft!

Andere Länder versuchen, vorzubeugen. In Kanada beispielsweise sind Scheine aus Kunststoff. Die halten nicht nur länger, es sollen auch weniger Bakterien hängen bleiben. Und in Japan gibt es Geldautomaten, die mit Heißluft durchströmt werden. Der Yen wird auf 200 Grad erhitzt und praktisch keimfrei herausgegeben. Eine Geldwäsche der etwas anderen Art.

"Blödsinn", sagt Hygieniker Frank Mosel dazu. Und auch ein anderer weit verbreiteter Glaube überzeugt ihn nicht, wonach Kupfergeld hygienischer sei als Silbergeld oder Scheine. "Es gibt Studien die sagen, Kupfermünzen sind generell weniger besiedelt. Aber es gibt auch Untersuchungen, die auf Kupfermünzen sogar mehr Erreger pro Quadratzentimeter feststellen als auf Papiergeld."

Keine Angst vor Bargeld

Hände einer Frau, voller Münzen

Lauter schmutzige Münzen?

Also, Angst vor Erregern auf Bargeld braucht keiner zu haben. Trotzdem – es gibt ein paar Situationen, da ekelt sich Bankkauffrau Agatha Lempka dann doch. "Das sind dann in der Regel Scheine, die würde man auch nicht mehr rausgeben. Wie zum Beispiel das da Blutschmiere drauf ist oder das die relativ feucht sind, in Kellerräumen gelegen haben, verschimmelt sind."

Zum Glück werden diese Scheine in den Banken aussortiert. Und obwohl Agatha Lempka jeden Tag hunderte Scheine und Münzen in der Hand hat – krank war sie schon lange nicht mehr.

Autor des Radiobeitrags ist Sebastian Auer.

Stand: 05.12.2016, 14:24