Wie wir im digitalen Zeitalter "sozial gesund" bleiben

Durcheinander von Kabeln eines Rechners

Wie wir im digitalen Zeitalter "sozial gesund" bleiben

Von Marion Kretz-Mangold

  • Viele Menschen vom Internet gestresst
  • Netzwerk-Expertin entwickelt Konzept als "Gegengift"
  • "Soziale Gesundheit" so wichtig wie Gesundheit des Körpers und des Geistes

Zu viele Informationen, die ungefiltert auf uns hereinprasseln, zu viele Kontakte zu Menschen, auf die wir im echten Leben keinen Wert legen würden, und viel zu wenig Zeit dank voller Mailboxen und immer neuer Posts, Videos und Chats: Für die britische Netz-Expertin Julia Hobsbawm befinden wir uns mitten im "Zeitalter der Überlastung". Die Folgen: Krankmachender Dauerstress, schlimmstenfalls Depressionen und Angstzustände. Dem setzt Hobsbawm ihr Konzept der "sozialen Gesundheit" entgegen - der Versuch, Informationsfluss, Netzwerke und Zeitmanagement so zu organisieren, dass sie dem Menschen gerecht werden.

"Gesundheit" muss neu definiert werden

Mann auf Laufband vor Fensterfront in Fitnessstudio

Alles für den Körper

Dieses Konzept ist eine Modernisierung des Modells, das die Weltgesundheitsbehörde WHO vor 70 Jahren entwickelt hat. Dort wird Gesundheit als Dreiklang aus körperlichem, geistigem und sozialem Wohlbefinden definiert. Die soziale Komponente kommt zu kurz angesichts der gesellschaftlichen Umwälzungen, sagt Hobsbawm: "Es gibt eine ausgewachsene Industrie und bestimmte Regeln rund um Körper und Geist, bei der sozialen Gesundheit gibt es nichts dergleichen."

Mit Plan ins Netz

Stattdessen gibt es eine Unmenge von Informationen, die der Einzelne nicht überprüfen kann - und die ihn blockieren. In den sozialen Netzwerken trifft er auf Freunde, auf Feinde, auf Kollegen und auf Trolle. Und alles frisst Zeit. "Wir müssen nicht in die Höhle zurückkriechen und alle Technologie aufgeben", betont Hobsbawm. "Aber wir brauchen eine Strategie, mit wem wir umgehen, wo wir das tun und wie wir so schnell wie möglich an Informationen kommen."

Sie nennt das den Knoten aus Wissen, Beziehungen und Zeit - ähnlich wie der Dreiklang aus Schlaf, gesunder Ernährung und Sport bei der körperlichen Gesundheit. "Niemand geht ohne Plan ins Fitnessstudio. Man geht in einen bestimmten Kurs, macht bestimmte Übungen und hat einen messbaren Erfolg." Eine Strategie fehle in punkto sozialer Gesundheit aber - noch.

Online-Sucht: Gefährliche Parallelwelten

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen | 12.09.2017 | 04:01 Min.

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Eine Blaupause für Beziehungen in Zeiten des Internet

Julia Hobsbawm

Julia Hobsbawm

Wie die Strategie im großen Maßstab aussehen könnte, ist unklar. Hobsbawm setzt auf ein Gleichgewicht von Offline und Online, verordnet sich selbst auch jedes Wochenende eine Techno-Auszeit. Aber die Zeit drängt, auch wegen der rasanten Fortschritte bei der künstlichen Intelligenz. Hobsbawm: "Dies ist ein schicksalshafter Moment."

Stand: 07.12.2017, 06:00