Iatrophobie - lieber Schmerzen als zum Arzt

Arzt hält Botox Spritze in der Hand

Iatrophobie - lieber Schmerzen als zum Arzt

Von Susanne Schnabel

  • Etwa zwei Millionen Deutsche leiden unter Angst vor Ärzten
  • Therapien können diese "Iatrophobie" lindern
  • Ursachen für die Angststörung sind vielfälig

"Ich kann nichts essen, und wenn, dann übergebe ich mich wieder. Ich könnte heulen vor Angst. Und ich bin wieder kurz davor, den Termin abzusagen", schreibt Mareike in einem Psychologieforum über ihre Angst vor Ärzten. Sie lässt sich seit Jahren nicht mehr behandeln, hat Panik vor der Begegnung mit Medizinern. Ursache, so glaubt sie, seien Erfahrungen in ihrer Kindheit: Ihre Schwester starb wegen eines Ärztefehlers im Krankenhaus und ihr Bruder musste oft operiert werden.

Zwei Millionen Betroffene

 Chirurgin mit Roentgenbild

Etwa zwei Millionen Deutsche haben Angst vor dem Arzt

Mit ihrer Angst ist Mareike nicht alleine. Laut einer Erhebung des Berufsverbandes der Allgemeinärzte leiden etwa zwei Millionen Deutsche unter einer krankhaften Angst vor dem Arzt, der sogenannten Iatrophobie (altgriechisch iatros: Arzt, phóbos: Furcht). Insbesondere Männer neigen dazu, Arztbesuche und Vorsorgeuntersuchungen hinauszuschieben.

Ein Teufelskreis

Die Angst vor dem Arzt ist ein Teufelskreis: wer nicht zur Vorsorge geht, verschleppt womöglich Krankheiten, die Symptome verschlimmern sich und können nicht mehr so leicht behandelt werden. Dadurch wird die Angst noch größer, die Krankheit verschlimmert sich. Bei einigen Patienten ist die Phobie so stark ausgeprägt, das sie selbst bei starken Schmerzen nicht zum Arzt gehen.

Arzt am Krankenbett eines Kindes mit Kopfbandage

Erlebnisse in der Kindheit können prägend sein

Schlechte Erfahrungen in der Kindheit, falsche Diagnosen, unsensible Ärzte - die Ursachen für diese Störung sind so individuell wie die Patienten selbst. Manche fürchten sich vor Schmerzen, Spritzen, dem Gefühl ausgeliefert zu sein oder vor einer schlimmen Diagnose - manche schämen sich für ihren Körper. "Zurzeit bearbeite ich in der Therapie meine Kittelpanik. Es fällt mir sehr schwer, weil ich schon bei den Gedanken daran fast durchdrehe", schreibt eine Leidensgenossin von Mareike.

Hilfe durch Psychotherapie

Sie berichtet, dass ihr Ehemann die Arzttermine koordiniere und mit zur Behandlung kommt, um Händchen zu halten. "Davon rate ich ab", sagt Lilli Matis, Psychologische Psychotherapeutin aus Münster. Besser sei, der Therapeut begleite den Patienten zum Arzt. "Die Rollen sollten klar getrennt sein. Der Partner ist nicht Therapeut", so Matis. Eine solche Angststörung könne man aber gut behandeln.

Eine Therapie hilft dem Betroffenen, sich Schritt für Schritt den Inhalten der Angst zu stellen. Es werden spezielle Entspannungsübungen für den Besuch in der Praxis eingeübt. Ziel der Verhaltenstherapie ist die Vereinbarung eines Arztbesuches und die anschließende Überprüfung - mit dem Therapeuten. Eine entsprechende Verhaltenstherapie umfasst etwa 25 Stunden.

Stand: 25.01.2017, 06:00